Europa im Rampenlicht

Kurzfilmtage Winterthur - Im Internationalen und im Schweizer Wettbewerb laufen 56 Filme aus 28 Ländern.

Kurzfilme zur "europäischen Idee" werden in einem Schwerpunktprogramm der 18. Internationalen Kurzfilmtage Winterthur vom 4. bis 9. November gezeigt. Im Internationalen und im Schweizer Wettbewerb laufen 56 Filme aus 28 Ländern.

Insgesamt sind an den sechs Festivaltagen 242 Filme zu sehen, 174 davon in kuratierten Programmen. Für die Wettbewerbe wurden dieses Jahr über 3700 Filme aus aller Welt eingereicht, etwa 1300 weniger als vor einem Jahr.

Dieser Rückgang sei erfreulich und gewollt, denn das Selektionskomitee sei in den letzten Jahren an Kapazitätsgrenzen gekommen. Die Qualität der zur Auswahl stehenden Filme sei durchaus konstant geblieben, hiess es an einer Medienkonferenz vom Dienstag in Zürich.

Neue Formen der Narration
Im Internationalen Wettbewerb konkurrieren 37 sehr unterschiedliche Filme, vier davon sind Schweizer Produktionen. Ein sehr heterogenes Wettbewerbsprogramm biete die ganze Bandbreite des Kurzfilmschaffens vom "grossen Kino" bis zur Low-Budget-Produktion, sagte der künstlerische Festivalleiter John Canciani.

Gut vertreten sind aussereuropäische Filme, immerhin auch drei aus Afrika. Der Wettbewerb zeichnet sich laut Canciani über spannende Erzählweisen, neue Formen der Narration, starke audiovisuelle Momente und Tiefgang aus. Viele Autoren setzen sich in Spiel- und Dokumentarfilmen mit der politischen Situation und der Geschichte ihres Landes auseinander.

"Kantigere Filme" im Schweizer Wettbewerb
Für den Schweizer Wettbewerb sind 19 Filme ausgewählt worden. In nicht weniger als 14 davon führen Frauen Regie oder Co-Regie. Fortgesetzt hat sich der Trend, dass auch gestandene Filmemacher nach Langfilm-Produktionen zum Kurzfilm zurückkehren. Ein Beispiel dafür ist die "Home"-Regisseurin Ursula Meier, die mit einem knapp 10-minütigen Werk vertreten ist.

John Canciani bezeichnete den diesjährigen Schweizer Wettbewerb als "auffallend stark". Es seien "etwas kantigere Filme" als im Vorjahr zur Auswahl gestanden. Er lobte die Experimentierfreudigkeit der einheimischen Filmschaffenden. Diese probierten subtil neue Formen aus und spielten mit der Wahrnehmung des Publikums.

Zugenommen hat auch die Zahl von Spielfilmen, vor allem von Westschweizer Regisseuren. In der Romandie gebe es offenbar momentan die besseren Geschichtenerzähler, sagte Canciani. Sehr gut vertreten sind überdies Dokumentarfilme. Dies zeige, dass weiterhin auf das stabilste Standbein des Schweizer Films gesetzt werde.

Programm zum Mauerfall am 9. November
Im wichtigsten der kuratierten Programm-Reihen geht es um Europa. Nicht weniger als elf Programme wurden dazu zusammengestellt. Unter anderem auch eines zum Fall der Berliner Mauer - programmiert am 25. Jahrestag, dem 9. November -, eines unter dem Titel "EUkraine" zum Umbruch in der Ukraine und zwei zum "Sonderfall Schweiz".

Einen "kleinen Fokus" legt das Festival auf das sogenannte "indigene Kino". Es sei kein ethnografisches Programm, sondern eine Zusammenstellung von zeitgenössischen Filmen, für die Vertreter der indigenen Völker die Kamera selbst in die Hand genommen hätten, um über ihre Erfahrungen zu reden und ihren Alltag zu dokumentieren. (sda)