Europas Sprachenvielfalt mithilfe von KI stärken

Microsoft - Der US-Konzern kündigt zwei neue Initiativen an, um die sprachliche und kulturelle Vielfalt Europas in der digitalen Welt besser zu repräsentieren.

Das Unternehmen reagiert damit auf die Dominanz des Englischen bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz. «Mit der fortschreitenden Digitalisierung droht jedoch ein Verlust dieser sprachlichen und kulturellen Vielfalt», schreibt Brad Smith, Vice Chair & President bei Microsoft, in einem Blog-Beitrag. Der überwiegende Teil der Webinhalte, die als Grundlage für das Training von KI-Modellen dienen, sei auf Englisch verfasst und spiegle oft eine US-amerikanische Perspektive wider, so Smith weiter.

Die erste Initiative sieht vor, dass Microsoft Mitarbeitende aus zwei Innovationszentren nach Strassburg verlegt. Dort sollen sie mehrsprachige Datensätze für die KI-Entwicklung ausbauen. Das Team wird dabei mit dem ICube Laboratory der Universität Strassburg zusammenarbeiten. Microsoft stellt dafür zwei Postdoc-Stellen und bis zu eine Million US-Dollar in Azure-Credits zur Verfügung.

Gleichzeitig ruft das Unternehmen dazu auf, digitale Inhalte in zehn europäischen Sprachen zu erweitern. Förderanträge können ab September 2025 eingereicht werden, wobei der Fokus auf unterrepräsentierten Sprachen wie Estnisch, Slowakisch oder Maltesisch liegt.

Die zweite Initiative erweitert Microsofts «Culture AI»-Programm zum Schutz des kulturellen Erbes. Gemeinsam mit dem französischen Kulturministerium und dem Unternehmen Iconem wird eine digitale Nachbildung der Kathedrale Notre Dame in Paris erstellt. Weitere Projekte umfassen die Digitalisierung von Bühnenmodellen der Opéra National de Paris und Objektbeschreibungen des Musée des Arts Décoratifs.

Das Problem der Sprachungleichheit hat laut Smith auch wirtschaftliche Folgen. Nur 13,5 Prozent der EU-Unternehmen nutzen derzeit Künstliche Intelligenz. «Würden Sprachbarrieren im Binnenmarkt überwunden, könnte der innergemeinschaftliche Handel um bis zu 360 Milliarden Euro wachsen», zitiert Smith den EU-Aktionsplan «AI Continent».

Microsoft arbeitet bereits mit dem Barcelona Supercomputing Center und anderen Institutionen daran, KI-Modelle für Spanisch, Katalanisch, Baskisch und Galicisch bereitzustellen. (pd/nil)