An "Fack ju Göhte" kam die Deutsche Filmakademie nicht vorbei: Mehr als sieben Millionen Kinogänger haben den erfolgreichsten deutschen Film des vergangenen Jahres gesehen. Jetzt ist die Komödie gleich vier Mal für den wichtigsten deutschen Filmpreis, die goldene Lola, nominiert. Üblicherweise macht die Akademie einen Bogen um Blockbuster. Am kommenden Freitag werden die Lola-Gewinner in Berlin bekanntgegeben.
In der Königskategorie Bester Spielfilm tritt "Fack ju Göhte" von Bora Dagtekin nun gegen den Alpen-Western "Das finstere Tal" an, den bislang rund 100'000 Kinogänger sahen. Mit neun Nominationen startet der Streifen von Andreas Prochaska allerdings als Favorit. Edgar Reitz' kunstvolles, schwarz-weisses Geschichtsepos "Die andere Heimat" (122'000 Zuschauer) geht mit sechs Nominationen ins Rennen und hat ebenfalls Chancen auf den Hauptpreis.
Als bester Spielfilm sind ausserdem nominiert: die surreale Tragikomödie "Finsterworld" (75'000 Zuschauer) von Frauke Finsterwalder, der Low-Budget-Liebesfilm "Love Steaks" (seit Ende März 18'000 Zuschauer) von Jakob Lass und das deutsch-norwegische Frauen Drama "Zwei Leben" (150'000 Zuschauer) von Georg Maas.
Kassenknüller oder Kunstfilm? Vor dieser Wahl stehen jetzt die 1400 Mitglieder der Filmakademie, die über die Lola-Gewinner entscheiden. Lange hatte die Akademie an der Kinokasse erfolgreiche Filme zum Beispiel von Til Schweiger, Michael "Bully" Herbig und Bernd Eichinger konsequent ignoriert.
Carla Juri mit Preischance in Berlin
Ob "Fack ju Göhte" tatsächlich Chancen auf den Hauptpreis hat, ist offen. Ein Preis dürfte ihm aber schon sicher sein: Die Trophäe in der Kategorie Besucherstärkster Film. Für den Lola-Favoriten "Das finstere Tal" erhielt der österreichische Filmemacher Prochaska bereits den bayerischen Filmpreis für die beste Regie. In dem düsteren Werk nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Willmann spielen Sam Riley und Tobias Moretti zwei erbitterte Feinde in einer fesselnden Saga um Rache, Macht und Gewalt. Moretti ist für seine Rolle als bester Nebendarsteller nominiert.
Auf den Preis für die beste weibliche Hauptrolle kann auch eine Schweizerin hoffen: Carla Juri, die im vergangenen Sommer mit dem Streifen "Feuchtgebiete" für Furore sorgte. Sie tritt an gegen Juliane Köhler ("Zwei Leben") und Jördis Triebel ("Westen"). Als beste Schauspieler stehen Dieter Hallervorden ("Sein letztes Rennen"), Sascha Alexander Gersak ("5 Jahre Leben") und Hanno Koffler ("Freier Fall") zur Wahl.
Gleich zwei "Fack ju Göhte"-Darstellerinnen sind in der Kategorie beste Nebenrolle nominiert: Jella Haase und Katja Riemann. Sie konkurrieren gegen Sandra Hüller, die für "Finsterworld" ausgewählt wurde. Um den Titel als bester Nebendarsteller bewerben sich neben Tobias Moretti auch Michael Maertens ("Finsterworld") und Kida Khodr Ramadan ("Ummah – Unter Freunden").
Höchstdotierter Kulturpreis Deutschlands
Weitere Auszeichnungen gibt es unter anderem in den Kategorien Kinderfilm, Dokfilm sowie Regie, Drehbuch (in dieser Sparte ist auch Bora Dagtekin für "Fack ju Göhte" nominiert), Kamera und Filmmusik. Ein Preisträger steht bereits fest: Den Ehrenpreis für das Lebenswerk wird der 69-jährige Filmemacher Helmut Dietl ("Schtonk") entgegen nehmen.
Die Lola ist mit Preisgeldern von insgesamt rund drei Millionen Euro der höchstdotierte deutsche Kulturpreis. Die von Schauspieler Jan Josef Liefers moderierte Gala wird von der ARD am selben Abend zeitversetzt ab 22.45 Uhr übertragen. (sda)