Festivaldirektor Père lanciert Zweitling mit "Rückenwind"

Festival del film Locarno - Daniel Craig und Harrison Ford im Tessin erwartet.

Marco Solari, der Präsident des Filmfestivals Locarno, der in früheren Jahren stets vor einem möglichen Abstieg des Grossanlasses warnte, hat sich bei der Präsentation des diesjährigen Programms gelöst gezeigt. Von einem "seligen Zustand" sprach er gar. Sowohl finanziell wie künstlerisch sei die Lage derzeit erfreulich, sagte Solari am Mittwoch vor den Medien in Bern - nicht ohne anzufügen, dass ein kultureller Grossanlass "extrem zerbrechlich" sei. Direktor Olivier Père, der 2010 seinen Einstand an der Festivalspitze feierte, spürt "Rückenwind", wie er sagte.

Das zweite von ihm verantwortete Festival, das vom 3. bis am 13. August dauert, kommt ohne die offensichtlichen Aufreger des Vorjahres aus; Fans des Absurden und des Schrägen dürften dennoch auf ihre Kosten kommen: Unter anderem wird auf der Piazza Grande "Le Havre", der neue Film von Aki Kaurismäki, präsentiert. Gut vertreten sind zudem die Genres Sci-Fi und Horror. Als Weltpremiere ist am 4. August "Headhunters" zu sehen, ein vielversprechender norwegischer Thriller. Auch der deutsche Streifen "Hell", ein Endzeitfilm des 1982 geborenen Baslers Tim Fehlbaum, läuft auf der riesigen Leinwand von Locarno.

Hollywood-Grössen wie Daniel Craig und Harrison Ford werden am Samstag, 6. August, zur Europapremiere des Streifens "Cowboys & Aliens" im Tessin erwartet. "US-Blockbuster" sind zurück auf der Piazza", sagte Père, betonte jedoch, dass der europäische Autorenfilm auch dieses Jahr gut vertreten sei. In der Weltpremiere des deutsch-französischen Streifens "Sport de filles" von Patricia Mazuy ist Bruno Ganz als Trainer-Legende im Dressurreiten zu sehen. Ebenfalls ganz neu ist der kurze Animationsbeitrag "Romance" des Genfers Georges Schwizgebel.

Melgar im Hauptwettbewerb

Im internationalen Wettbewerb, dem künstlerischen Herzstück des Festivals, führt Frankreich mit vier Beiträgen die Tabelle an; aus den USA stammen drei Anwärter auf den Goldenen Leoparden, darunter ein weiterer Sci-Fi-Streifen: "Another Earth" von Mike Cahill. Mit "Vol spécial", einem Film über die Ausschaffungspraxis des Bundes, nimmt gemäss der Promotionsgesellschaft SWISS FILMS erstmals ein Schweizer Dokfilm am Hauptwettbewerb teil. Das Werk stammt von Fernand Melgar, der in Locarno 2008 für "La forteresse" in der Kategorie "Cineasti del presente" ausgezeichnet wurde.

Auch ein Schweizer Spielfilm ist im Hauptwettbewerb vertreten: "Mangrove" von Frédéric Choffat und Julie Gilbert. Die Geschichte handelt von einer jungen Frau, die an den Ort im Süden Mexikos zurückkehrt, an dem ihr Geliebter auf brutale Weise zu Tode kam. "Abrir puertas y ventanas" von Milagros Mumenthaler, eine argentinisch- schweizerisch-niederländische Koproduktion, erzählt von drei Schwestern in Buenos Aires, die sich nach dem Tod ihrer Grossmutter neu im Leben orientieren müssen.

Ehrenleopard für Ferrara

In der auf 14 Filme reduzierten Sparte "Cineasti del presente" rittert ein Schweizer Film um die Auszeichnung: "The Substance - Albert Hoffmanns LSD" von Martin Witz ("Dutti der Riese"). Bereits im Vorfeld wurden etliche Hommagen und Ehrenpreise des 64. Festival del film Locarno bekanntgegeben. Der Premio Raimondo Rezzonico geht an den US- Produzenten Mike Medavoy. Der US-Regisseur Abel Ferrara ("Bad Lieutenant") erhält den Ehrenleoparden. Die Retrospektive ist Vincente Minelli (1903-1986) gewidmet, dessen komplettes Werk in Locarno gezeigt wird.