15.01.2009

BAK

Filmchef Bideau kanzelt Filmverbände als "krank" ab

Zwist in der Schweizer Filmbranche.

Es brodelt in der Schweizer Filmbranche: Nachdem Schweizer Filmverbände dem obersten Filmchef Nicolas Bideau unter anderem Eigenmächtigkeit vorgeworfen haben, kanzelte er sie in einem Interview als "krank" ab. Die Verbände seien zerstritten und ihre Mitglieder fühlten sich von ihnen nicht mehr angemessen vertreten, erklärte der Leiter der Sektion Film im Bundesamt für Kultur (BAK) in einem Interview mit dem "Tages-Anzeiger" vom Donnerstag.

Viele Mitglieder seien bereits ausgetreten. Das Gegenteil sei der Fall, erklärte Stefan Haupt, Präsident des Verbandes Filmregie und Drehbuch Schweiz (ARF/FDS) auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Sein Verband erlebe sogar einen erhöhten Zustrom. Von Zerstrittenheit unter den Verbänden könne keine Rede sein, ergänzte Ruth Waldburger, Vorstandsmitglied der Gruppe Autoren, Regisseure, Produzenten (GARP). Obwohl die Verbände unterschiedliche Ziele verfolgten, arbeiteten sie eng zusammen.

Laut "Tages-Anzeiger" und "Basler Zeitung" haben mehrere Verbände Bideau eigenmächtiges Vorgehen vorgeworfen: Er habe unter anderem ohne vorherige Anhörung eine Änderung an der Verordnung zum Filmgesetz vorgenommen. Sein Verband habe zusammen mit dem Studiofilmverband in einem Brief an die Eidgenössische Filmkommission seine "Besorgnis zum Ausdruck gebracht", bestätigte Haupt. Bideau räumte in dem Interview ein, dass ihm "ein Kommunikationsfehler" unterlaufen sei.

Bei dem Zwist geht es auch um Geld, denn derzeit werden die Filmförderkonzepte überarbeitet. In diesem Zusammenhang gibt es Bestrebungen von Produzenten, einen höheren Anteil an der erfolgsabhängigen Filmförderung zu erhalten - auf Kosten der Autoren und Regisseure, wie Haupt im "Ciné-Bulletin" darlegt. Dass Bideau künftig weniger Produzenten mit je höheren Beiträgen unterstützen möchte, hat er wiederholt dargelegt. Er sei kein Anhänger des Giesskannenprinzips, bekräftigte er.

Haupt setzt einen anderen Akzent: Für eine gesunde Filmlandschaft brauche es eine breiten Humus, sagte er. Man sehe es den Keimlingen nicht auf den ersten Blick an, ob aus ihnen starke Bäume werden: "Kein Gärtner würde mit der Hochdruckspritze an drei Stellen wässern, um drei Bäume zu ziehen". (sda)


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