Nicolas Bideau, der umstrittene Chef der Sektion Film im Bundesamt für Kultur (BAK), verlässt die Filmszene. Er übernimmt Anfang 2011 die Leitung von Präsenz Schweiz. Bideau überwarf sich in den vergangenen Jahren mit namhaften Exponenten der Filmbranche. Lobende Stimmen waren zwar auch immer wieder zu vernehmen, öffentlich brandete ihm jedoch vor allem Kritik entgegen. Bideau hinterlasse "einen Scherbenhaufen", sagte Rolf Schmid, Präsident des Filmproduzentenverbandes SFP, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA am Donnerstag.
Der Wechsel an der Spitze der BAK-Sektion Film sei "ein wichtiges Signal", um in Zukunft zu einer konstruktiven Zusammenarbeit in der Branche zu finden. Positiv würdigt Schmid, dass Bideau versucht habe, Dynamik in die Schweizer Filmpolitik zu bringen. Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin müssten jedoch besser mit allen Beteiligten kommunizieren. Es brauche jetzt einen "Dienstleister, der für die Branche arbeite und nicht umgekehrt", sagte Ivo Kummer, der Direktor der Solothurner Filmtage.
Das Förderkonzept von Nicolas Bideau betrachtet Kummer als gescheitert. Die Vielfalt des Schweizer Films sei durch die Politik der vergangenen fünf Jahre bedroht. Nicolas Bideau steht der BAK-Sektion Film seit Herbst 2005 vor. Seither war er in den Medien sehr präsent, unter anderem indem er für den Schweizer Film hohe - und kaum je erreichte - Ziele nannte. Der BAK-Filmchef wollte namentlich "Lokomotiven" fördern - grosse, mitunter auch teure Streifen, die den Schweizer Film beim Publikum bekannt und beliebt machen sollten. Mehreren dieser "Lokomotiven" wie etwa dem Animationsfilm "Max & Co" blieb der Erfolg verwehrt.
Vom Beginn an
Der abtretende Filmchef verteidigte sein Wirken. "Ich habe das Publikum wieder ins Zentrum gerückt", erklärte er gegenüber dem Westschweizer Fernsehen TSR. Insgesamt sei die Bilanz positiv. Druck habe er jedoch vom ersten Tag im Amt an gespürt. "Wenn man Reformen anpackt, hat man zwangsläufig Gegner", sagte Bideau: "Das gehört zum Job". Er habe sich für den Schweizer Film engagiert und werde sich jetzt ebenso für seine neue Aufgabe einsetzen.
Auch dank Bideau werde der Schweizer Film stärker als früher wahrgenommen, betonte sein Chef, BAK-Direktor Jean-Frédéric Jauslin, auf Anfrage der SDA. Wichtig sei ausserdem die Politik der Festivalförderung mit klarer definierten Kriterien. Am Jobprofil des BAK-Filmchefs soll sich gemäss Jauslin nicht viel ändern.
An der Spitze von Präsenz Schweiz übernimmt der 1969 geborene Bideau die Nachfolge von Johannes Matyassy, der als Botschafter ins Ausland wechselt. Der Politologe Bideau war bereits von 1999 bis 2002 sowie von 2004 bis 2005 im Aussendepartement tätig. Präsenz Schweiz pflegt das Image der Schweiz im Ausland. Die PR-Agentur des Bundes lädt Medienschaffende und Entscheidungsträger in die Schweiz ein, verbreitet Informationen über die Schweiz und organisiert Auftritte des Landes an internationalen Grossanlässen.
Darüber hinaus koordiniert Präsenz Schweiz die Landeskommunikation bei Krisenlagen im Ausland. Die Notwendigkeit dieser Tätigkeiten ist umstritten. Das Parlament hat Präsenz Schweiz verschiedentlich Gelder gestrichen. Bei den letzten Budgetberatungen kürzten die Räte das Budget der Institution für 2010 um 2,5 Millionen Franken. (sda)