Unter dem Motto "Why Film Critics Still Matter" haben am Donnerstag Teilnehmer der Film Critics Academy Locarno auf dem Festival del film über ihre Existenzberechtigung diskutiert. Die vereinfachte Antwort: Weil sie's besser können als unerfahrene Blogger und Tweeter. Vier junge Filmkritiker aus verschiedenen Ländern - Teilnehmer der 2010 erstmals durchgeführten Academy - sowie der renommierte US-Publizist Neil Young sahen ihre Aufgabe vor allem darin, sich für unterschätzte und marginalisierte Filme einzusetzen.
Zudem sollten die Filme - selbst Hollywood-Produktionen - in einen politischen und sozialen Zusammenhang gebracht werden, den "normale" Zuschauer oft nicht sehen. Das sei allerdings nicht immer leicht: Manche Medien verlangten, gleich im ersten Abschnitt die kommerziellen Aussichten des besprochenen Films zu beziffern.
Auch undifferenzierte Urteile seien gefragt: Am liebsten würden die Auftraggeber Sätze wie "der beste Film aller Zeiten" oder "der grösste Schrott" lesen, sagte Neil Young, der unter anderem für "The Hollywood Reporter" schreibt. Von unprofessionellen Filmblogs und Twitter-Debatten über Filme halten die Diskussionsteilnehmer nicht viel: Wer jährlich weit über 100 Streifen visioniere und ausserdem in Filmgeschichte und -technik versiert sei, liefere fundiertere Kritiken als Amateure.
Ausbaufähig wäre nach Ansicht der Berufskritiker das noch relativ junge Instrument der Online-Kommentare: Kritiker würden an sich gern mit ihren Lesern in Diskurs treten. Das Problem im Moment sei allerdings der Mangel an konstruktiven Anregungen; viele Kommentatoren würden schnell persönlich oder gar beleidigend. (sda)
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