Die am 17. März vom Bundesrat angeordneten Massnahmen haben die Vermarktung der in diesem Jahr erscheinenden Filme abrupt gestoppt. Sowohl das Internationale Filmfestival Freiburg (FIFF) und das für das Schweizer Dokumentarfilmschaffen wichtigste Festival Visions du Réel, wurden abgesagt respektive auf eine Online-Ausgabe reduziert. Ob das international stark beachtete Filmfestival Locarno durchgeführt werden kann, steht in den Sternen. Die für diese Veranstaltungen geplanten Filmpremieren sind storniert oder finden nur online statt, das heisst: ohne grosses Publikums- und Medienecho und mit minimalen Filmeinnahmen. Viele im Jahr 2020 lancierten Filme drohen deshalb nach der Fertigstellung sang- und klanglos in den Archiven zu verschwinden.
Geschlossene Kinos, abgesagte Premieren
Nach Angaben des Dachverbandes der Schweizer Kino- und Filmverleihunternehmen ProCinema wurde der Kinostart von diversen Schweizer Filmen bereits auf den Herbst verschoben. Dies betrifft u.a. «Verdinger» (Dok, Saschko Steven Schmid), «Schwesterlein» (Vega Film, Stéphanie Chuat und Véronique Reymond), «Hexenkinder» (Dok, Edwin Beeler), «Stürm: bis wir tot sind oder frei» (Contrast Film, Oliver Rihs). Bereits gestartete Filme wie beispielsweise «Moskau einfach» von Micha Lewinsky oder der Berlinale-Film «Mare» von Andrea Štaka, sind von einem Tag auf den anderen von den Kino-Leinwänden verschwunden. Dies schreiben die Schweizer Filmproduzenten, Regisseure und Drehbuchautoren in einer Mitteilung vom Montag.
Um diese und unzählige weitere Schweizer Filme dem Publikum zugänglich zu machen, appellieren die Verbände Association suisse des scénaristes et réalisateurs de films und Filmregie und Drehbuch Schweiz (ARF/FDS) und die Produzentenverbände an die Kinos und Verleiher. «Es braucht für den Herbst unbedingt mehr Leinwände und Spielzeiten für die Schweizer Filmproduktion, Jahrgang 2020», schreiben sie.
«Kultureller Verlust, existentielle Nöte»
Auch bei laufenden Filmprojekten seien die Corona-Auswirkungen drastisch. Alle laufenden Vorbereitungs- und Dreharbeiten wurden im März abrupt gestoppt. «Welche Filme gerettet werden können, ist zurzeit noch unklar. Nachfinanzierungen wurden von den Förderstellen in Aussicht gestellt, aber ob alle betroffenen Produktionen im Herbst wieder neu aufgerollt werden können, ist unsicher. Viele Filmcrews und SchauspielerInnen sind dann bereits für andere Filme gebucht», schreiben ARF/FDS.
Die Lage sei dramatisch: «Es droht ein doppelter Verlust: Die Schweiz verliert einen Teil ihres wichtigen Kulturgutes Film, die Filmschaffenden ihre Existenzgrundlage.»
«In einem Moment, in dem die Kommunikation das Wichtigste ist, was uns als Gesellschaft verbindet, ist es umso fataler, wenn wir keine Geschichten über uns mehr erzählen können», sagt Produzent Ivan Madeo von Contrast Film.
Mehr Schweizer Filme im Fernsehen
Der ARF/FDS habe «den öffentlichen Schweizer Fernsehanstalten» deshalb den Vorschlag gemacht, während der Corona-Krise Programmlücken mit Schweizer Spiel- und Dokumentarfilmen zu füllen.
Mit den entsprechenden Sende-Entschädigungen würde das Fernsehen so einen wertvollen Beitrag zur Minderung der finanziellen Not der Filmurhaber leisten. (pd/eh)

