Serge Gainsbourg, der legendäre Chansonnier, ist zurück. Der Mann mit den Riesenohren, der Hakennase und dem Drei-Tage-Bart feiert derzeit ein grosses, posthumes Comeback. Ein Film, ein Theaterstück, Ausstellungen und Bücher lassen Frankreich in der Erinnerung an ihn schwelgen. Ihn, den genialen Musiker mit der Attitüde des Dauer-Provokateurs.
Wie der "Spiegel" schreibt, ist momentan sogar für die lieben Kleinen gesorgt: Wer die Texte des 1992 verstorbenen Sängers nachsingen will, dem bietet "L'integrale et caetera de Serge Gainsbourg" alle 650 Songs in Wort und Noten, die er zwischen 1950 und 1991 verfasst hat. Und zugleich tourt ein Theaterstück durch Frankreich: "Der Mann mit dem Kohlkopf", von Jean-Claude Gallotta - eine Mischung aus Rap und Choreografie.
Richtig angeschoben wird das Revival durch einen Film, der gerade in den Kinos läuft: "Gainsbourg (heroisches Leben)". Verantwortlich für den Film ist Joann Sfar, der bisher als Zeichner von Comic-Strips aufgefallen ist. In einem Anflug von "verliebter Faszination" erzählt Sfar das Leben des Macho-Poeten nicht als detailgetreue Doku-Fiktion, sondern als märchenhafte Annäherung.
Der Zeichner nutzt dazu eine Comic-Technik. In Schlüsselszenen des Films taucht an der Seite Gainsbourgs - gespielt von Eric Elmosnino - eine mehr als lebensgrosse Puppe auf. Wenn es um die Kinderzeit geht, kommt sie wie ein riesiger, aufgeblasener Sitzsack daher, später mutiert sie zur Marionette mit Riesennase, dürren Spinnenfingern und verkörpert damit das Alter Ego in grotesker Überzeichnung. Der krähenartige Pappkamerad gibt den Gesprächspartner für Serges inneren Dialog. Ein Kniff, der deutlich macht, dass Sfar seinen Film als subjektive Interpretation eines komplexen, widersprüchlichen Menschen verstanden wissen will.
Die definitive Hommage steht allerdings noch bevor: Die Stadt Paris überlegt, eine Strasse oder einen Platz nach Serge Gainsbourg zu benennen. "Diese Hommage soll 2011 erfolgen", lässt das Rathaus wissen. Pünktlich "zum 20. Jahrestag des Ablebens dieses unermesslichen Künstlers".