Der mit Liedern wie "Milord" und "Le Métèque" berühmt gewordene französische Sänger und Komponist Georges Moustaki ist tot. Der Chansonnier griechischer Abstammung starb am Donnerstagmorgen im Alter von 79 Jahren im südfranzösischen Nizza.
Französische Regierungsvertreter und Künstler reagierten bestürzt auf den Tod des Musikers. Moustaki hatte 2011 von unheilbaren Atemproblemen berichtet, die ihm das Singen unmöglich machten.
Nachdem er mehr als 40 Jahre auf der Insel Saint-Louis im Pariser Stadtzentrum gelebt hatte, zog er nach Nizza, um der Kälte und schlechten Luft in der französischen Hauptstadt zu entkommen, wie er im Februar in einem letzten Zeitungsinterview sagte. Sein Leichnam werde nun nach Paris gebracht, verlautete aus seinem Umfeld.
"Ich bedaure, nicht in meinem Badezimmer zu singen", sagte Moustaki im Februar der Zeitung "Nice Matin": "Vor Publikum singen: Nein. Ich habe alles erlebt. Ich habe die Welt bereist, bin in grossen und kleinen Konzertsälen aufgetreten. Ich habe magische Dinge erlebt."
Über seinen Lebensabend sagte Moustaki: "Ich will schreiben und malen. Meine Zeit den Dingen widmen, die mir Vergnügen bereiten, so wie ich es immer getan habe."
Der Chansonnier frönte stets auch seinen Leidenschaften. "Meine Exzesse haben mich erschöpft", sagte Moustaki dazu einmal. Aus Gesundheitsgründen musste er 2009 eine Europatournee absagen.
Liebhaber von Edith Piaf
Moustaki wurde am 3. Mai 1934 als Giuseppe Mustacchi in der ägyptischen Stadt Alexandria als Sohn griechisch-jüdischer Einwanderer geboren. 1951 zog er nach Paris, wo er den Sänger Georges Brassens kennenlernte und dessen Vornamen in seinen Künstlernamen aufnahm.
Moustaki schrieb rund 300 Lieder für französische Chanson-Grössen wie Yves Montand, Juliette Greco, Serge Reggiani und Barbara. Für Edith Piaf, mit der ihn eine kurze Liebesaffäre verband, schrieb er den Text von "Milord" (1958).
Später sang er seine Lieder auch selbst. Er besang sein Leben, die Schönheit mediterraner Landschaften, die Liebe oder die Frauen. Als Sänger und Komponist blieb er seiner poetischen und stillen Musik aus griechischer Bouzouki, türkischer Flöte, französischen und lateinamerikanischen Gitarrenklängen treu.
Dabei ignorierte er Kritiken, die ihm mangelnde Originalität vorwarfen. Auch im deutschsprachigen Raum war Moustaki, der 1985 die französische Staatsbürgerschaft annahm, häufig auf Tournee.
"Humanistische Werte"
Mit seinem in Frankfurt geborenen und nach Auschwitz deportierten jüdischen Freund Siegfried Meir schrieb er das Buch "Sohn des Nebels. Jüdische Erinnerungen".
Die französische Kulturministerin Aurélie Filippetti drückte am Donnerstag über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter ihre "tiefe Trauer" über Moustakis Tod aus. Moustaki habe "humanistische Werte" vertreten und sei "ein grosser Poet" gewesen.
Die Sängerin Juliette Gréco erklärte, Moustaki sei ein "eleganter Mann mit einer unendlichen Sanftheit und Talent" gewesen. (sda/Bild: Keystone)