Herr Renggli, Sie sind nun voll im Gemeinderatswahlkampf in Maur involviert. Welches sind Ihre ersten Politerfahrungen?
Politik ist Knochenarbeit – vor allem beim Verteilen der Wahlkampfflyer habe ich mir einen «Tennisarm» eingehandelt. Davon abgesehen sind die Reaktionen der Wählerinnen und Wähler sehr ermutigend. Ich spüre, dass sich viele Menschen von der Politik nicht verstanden und nicht vertreten fühlen. Genau deshalb trete ich an: um zuzuhören, zu vermitteln und Politik wieder näher zu den Menschen zu bringen – transparent und nachvollziehbar. Entsprechend erhalte ich viele spontane Gratulationen zu meiner Kandidatur.
Gemäss Kleinreport finden Sie in der Lokalzeitung Maurmer Post, die Sie einst leiteten, keine Erwähnung. Ist dies wirklich so?
Wie alle Kandidierenden hatte ich das Recht auf ein publizistisches Selbstporträt, wofür ich sehr dankbar bin. Abgesehen davon werde ich jedoch kaum erwähnt – insbesondere von den Parteien. Parteivertreter sowie amtierende Gemeinderätinnen und Gemeinderäte empfehlen sich gegenseitig zur Wahl. Es entsteht der Eindruck, als würden bestehende Gärtchen gegen neue Gedanken und einen Quereinsteiger abgeschirmt. Dabei hat frischer Wind noch selten geschadet – auch nicht in einer Amtsstube.
Und was unternehmen Sie nun dagegen?
Ich bin präsent im Dorf und verteile Flyer. Zudem sollten diese Woche die offiziellen Plakate aufgestellt werden. Wenig nachvollziehbar ist allerdings, dass der offizielle Versand der – von den Kandidierenden selber finanzierten und verpackten – Wahlwerbung erst nach der Zustellung der Wahlunterlagen erfolgt. Eigentlich sollte das Stimmvolk informiert sein, bevor es die Wahlzettel ausfüllt.
Wie ist die Reaktion der Gemeinde auf Ihr Nichterwähnen?
Eine offizielle Reaktion der Gemeinde gibt es nicht. Dafür sprechen mich viele Menschen direkt darauf an. Und ich habe das Gefühl, dass sich diese Situation am Ende sogar zu meinem Vorteil entwickeln könnte.
Weshalb?
Weil die Strategie der «Bisherigen» und der Parteien relativ simpel scheint: Wer im offiziellen Gemeindeorgan kaum vorkommt, existiert politisch nicht. Doch vielleicht machen sie die Rechnung ohne den Wirt.
Wie sehen Sie Ihre Chancen, dass Sie am Ende doch noch gewählt werden?
Ich bin und bleibe ein Aussenseiter – ohne Partei, mit einem kleinen Budget und zwei Kindern, die es gar nicht cool finden, dass ihr Vater ihnen plötzlich von Wahlplakaten entgegenlächelt. Aber auch als Aussenseiter darf man hoffnungsvoll in einen Wettbewerb steigen. Der FC Thun macht es in der Super League vor.

