Das umstrittene amerikanische Computerspiel "Manhunt 2" kommt nicht auf den Schweizer Markt. Es überschreite eine tolerierbare Grenze der Gewaltdarstellung, teilte der Schweizerische Branchenverband SIEA am Freitag mit. Die Videospielindustrie sei trotz Respekt vor der künstlerischen Freiheit nicht mehr länger bereit, alles zu tolerieren, was an Inhalten von unabhänigen Softwareentwicklern produziert werde, sagte Roger Frei, Präsident der Swiss Interactive Entertainment Association (SIEA), gemäss einem Communiqué.
Die Schweiz ist nicht das einzige Land in Europa, welches das Game verboten hat. Auch Grossbritannien, Irland und Italien tolerieren es nicht auf ihren Märkten. In den USA wurde der Verkauf zudem auf Erwachsene beschränkt. Die britische Kontrollbehörde BBFC hatte bereits am Dienstag dem brutalen Spiel eine Absage erteilt. Der Spieler schlüpft darin in die Rolle eines psychisch kranken Killers. "Manhunt 2" bestehe aus ununterbrochenem und sich steigerndem Sadismus ohne eigentliche Handlung, urteilte die britische Behörde.
Sony und Nintendo distanzieren sich
Inzwischen haben sich auch die Hersteller der Spielekonsolen distanziert, für die das Spiel herauskommen sollte. Für Sonys Playstation 3 und Nintendos Wii werde das Spiel nicht wie geplant freigegeben, teilten die Unternehmen mit. Grund sei vor allem die US-Altersbeschränkung "adults only" (nur für Erwachsene). Mit dieser Beschränkung ist es fast unmöglich, für ein Spiel zu werben. In den USA nehmen grosse Warenhaus-Ketten wie Wal-Mart als "adult only" eingestufte Spiele in der Regel nicht ins Sortiment auf.
Die erste Folge des Spiels 2003 war von der BBFC noch mit der Altersfreigabe ab 18 Jahren eingestuft worden. Die zweite Folge sei aber selbst mit einer solchen Beschränkung "für die Öffentlichkeit nicht akzeptabel", so die Behörde. Aufgrund dieser Widerstände entschied der US-Spiele-Verlag Take Two Interactive, das Spiel nicht wie geplant am 13. Juli herauszubringen. Man stehe aber weiterhin hinter diesem "aussergewöhnlichen Spiel", teilte das Unternehmen am Freitag mit. (sda)