Generation Z will Home-Office – kann es aber nicht

Arbeitsmarkt - Drei Viertel der jungen Arbeitnehmenden wünscht sich Heimarbeit, 45 Prozent arbeitet dort ineffizient. Eine aktuelle Studie im Auftrag der Agentur Klar Employer Branding zeigt Trends auf dem Arbeitsmarkt, etwa zum Umgang mit Home-Office, künstlicher Intelligenz oder Diversität.

Die Erwartungen der Arbeitnehmenden an Unternehmen, Arbeitskultur und Benefits verändern sich spürbar und in rasantem Tempo. Vertrauen will neu verdient werden, Sinn wird eingefordert, und klassische Machtverhältnisse verlieren zunehmend an Bindungskraft.

Die neue Puls-Arbeitsmarktstudie zeichnet ein umfassendes Bild dieser Transformation und weist auf Entwicklungen hin, die Unternehmen zum Handeln zwingen. Als Grundlage diente eine repräsentative Befragung von 853 Arbeitnehmenden in der Deutschschweiz. Die Studie in Auftrag gegeben hat die Agentur Klar Employer Branding. Umgesetzt hat sie Blue Eyes Marketing unter der Leitung von Markus Britschgi.

Frauen sind produktiver im Home-Office

Eine überraschende Erkenntnis betrifft die Produktivität im Home-Office: Frauen sind bei der Arbeit zu Hause durchschnittlich 20 Prozent produktiver als Männer. Frauen gelingt es offenbar besser, ihre Zeit zu strukturieren, den Fokus zu halten und trotz Mehrfachbelastung durch Kinderbetreuung oder Haushaltsführung effizient zu arbeiten. Gleichzeitig empfinden Männer die Auswirkungen des Home-Office auf den Teamspirit deutlich negativer als ihre Kolleginnen. Während Frauen den produktiven Raum zu Hause als Gewinn nutzen, fehlt Männern eher der soziale Austausch und die informellen Gespräche im Büro.

Die jüngste Generation im Arbeitsmarkt kämpft mit besonderen Herausforderungen. Jeder fünfte Arbeitnehmende der Generation Z fühlt sich geistig überfordert am Arbeitsplatz – ein Spitzenwert unter allen Generationen. Gleichzeitig geben über 30 Prozent der «Gen Z» an, sich auch körperlich überfordert zu fühlen, im Vergleich zu nur 17 Prozent bei den Babyboomern. Paradoxerweise wollen 75 Prozent der Generation Z mindestens einen Tag Home-Office pro Woche, obwohl 64 Prozent aktuell keinen Zugang dazu haben. Noch paradoxer: 45 Prozent dieser Generation geben an, im Home-Office nicht effizient arbeiten zu können. Die Generation will Flexibilität, scheitert aber oft an der praktischen Umsetzung.

Männer fordern häufiger mehr Lohn

Beim Umgang mit wirtschaftlichen Belastungen zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede: Gut 20 Prozent der befragten Frauen gaben an, sich durch die Teuerung stark belastet zu fühlen. Bei den Männern sind es nur knapp 15 Prozent. Trotz dieser höheren finanziellen Belastung der Frauen sind es jedoch die Männer, die häufiger eine Lohnerhöhung fordern – und zwar rund ein Viertel öfter.

Unabhängig vom Geschlecht bröckelt das Vertrauen in Führungskräfte: 56 Prozent der Arbeitnehmenden in der Schweiz geben an, dass sie ihre Vorgesetzten nicht als Vorbilder wahrnehmen. Besonders problematisch ist, dass bei jeweils rund einem Drittel von Generation X und Z versprochene Schritte in der Karriereplanung nicht eingehalten wurden. Diese Vertrauenserosion hat weitreichende Konsequenzen für die Mitarbeiterbindung und Unternehmenskultur.

Diversität als PR-Massnahme wahrgenommen

Die Glaubwürdigkeit von Unternehmen steht auch beim Thema Diversität auf dem Prüfstand. 50 Prozent der Arbeitnehmenden glauben, dass Firmen vor allem aus Imagegründen über Diversität kommunizieren und nicht, weil sie diese tatsächlich leben. Besonders skeptisch sind Männer: 60 Prozent von ihnen sehen Diversitätsinitiativen als reine PR-Massnahme. Bei den Frauen sind es immerhin 48 Prozent. Für 70 Prozent der Arbeitnehmenden ist die Einbindung von Diversität im Unternehmen kein wichtiges Thema.

Die Einstellung zu Künstlicher Intelligenz ist von Ambivalenz geprägt. Rund 30 Prozent der Arbeitnehmenden rechnen mit einem Stellenabbau durch den Einsatz von KI – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Technologie nicht nur als Chance, sondern auch als existenzielle Bedrohung wahrgenommen wird. Besonders ausgeprägt ist die Skepsis bei der Generation Z: 45 Prozent von ihnen geben an, sich vor den Auswirkungen von KI zu fürchten. Die praktische Nutzung bleibt zurückhaltend: Fast 80 Prozent der Babyboomer und knapp 70 Prozent der Generation X setzen KI-Tools nicht für ihre Arbeit ein. Paradoxerweise nutzt die Generation Z, die am meisten Angst vor KI hat, diese Technologie durchaus aktiv – aber offenbar nicht angstfrei.

Hälfte der Befragten wünscht mehr Ferien

Bei den gewünschten Benefits steht ein klarer Favorit an der Spitze: Der Wunsch nach sechs Wochen Ferien wird von 48 Prozent der Befragten als bevorzugte Zusatzleistung genannt – noch vor Home-Office, Lohnerhöhungen oder Weiterbildungsangeboten. Die älteren Arbeitnehmenden kämpfen derweil mit besonderen Herausforderungen: Zwei Drittel der über 50-Jährigen glauben nicht, bei einem Stellenwechsel nochmals eine gleichwertige Position zu finden. Gleichzeitig haben rund 23 Prozent der über 50-Jährigen zwei oder mehr Jobs, bei den Unter-50-Jährigen sind es lediglich 16 Prozent.

Ein positives Signal sendet die Studie für die duale Berufsbildung: 75 Prozent der Arbeitnehmenden in der Schweiz halten Lehrberufe für junge Menschen attraktiver als ein Studium. Diese Präferenz zieht sich durch alle Generationen und zeigt die hohe Wertschätzung der praktischen Ausbildung.

«Diese Signale ernst nehmen»

Aus diesen Zahlen zieht die Agentur Klar, welche die Studie in Auftrag gegeben hat, den Schluss, dass Vertrauen neu verdient werden muss, weil die Arbeitnehmende Sinn einfordern. Klassische Machtverhältnisse verlieren an Bindungskraft. «Wer die Talente von morgen gewinnen und die Leistungsträger von heute halten will, muss diese Signale ernst nehmen», heisst es im Fazit zur Studie. «Es reicht nicht mehr, Trends zu beobachten. Es geht darum, Haltung zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen und aktiv zu gestalten.» (pd/nil)