24.12.2025

C-Films

«‹Hallo Betty› ist ein Stück Schweizer Zeitgeschichte»

Dem Zürcher Erfolgsproduzenten Peter Reichenbach, Mitinhaber der C-Films AG, ist mit dem Film «Hallo Betty» über das Leben der Werberin und Betty-Bossi-Erfinderin Emmi Creola ein Schweizer Blockbuster gelungen. Im Interview schildert er die Herausforderungen und Entstehungsgeschichte.
C-Films: «‹Hallo Betty› ist ein Stück Schweizer Zeitgeschichte»
«Emmi Creola könnte die Schwester von Peggy Olson sein. Aber auch von Elizabeth Zott aus dem Bestseller ‹Eine Frage der Chemie›», so Peter Reichenbach, Produzent und Mitinhaber der C-Films AG. Im Bild: Emmi Creola (Sarah Spale) beim Ausleeren aller Leserbriefe in der Werbeagentur. (Bilder: C-Films)

Herr Reichenbach, Sie sind ein Urgestein der Schweizer Filmszene und seit 1999 mit der C-Films als Produzent aktiv. Derzeit haben Sie mit «Hallo Betty» einen viel gelobten Film im Kino. Die Premiere im Abaton in Zürich war ein überwältigender Erfolg. Wie kam es zu diesem aussergewöhnlichen Film?
Die Idee zu einem Film über die Geschichte von Betty Bossi entstand bei einem internen C-Films-Brainstorming zum Thema: «Was braucht es, damit ein Schweizer Film eine Chance im Kino hat?» Eine der Erkenntnisse aus den bisherigen Grosserfolgen von Filmen der C-Films war, dass es einen Titel braucht, der nicht erklärt werden muss – idealerweise einen Brand. Das war zum Beispiel bei «Mein Name ist Eugen», «Grounding – Die letzten Tage der Swissair», «Schellen-Ursli», «Zwingli» oder «Platzspitzbaby» der Fall. Auch «Stiller» hat das jüngst bewiesen.

Der Film spielt in einer Werbeagentur, aus der die Figur der Betty Bossi entstanden ist (persoenlich.com berichtete). Er erinnert ein bisschen an die Serie «Mad Men», mit Blick auf Ausstattung und Farben. Das war sicher so gewollt …
Ja, klar. Emmi Creola könnte die Schwester von Peggy Olson sein. Aber auch von Elizabeth Zott aus dem Bestseller «Eine Frage der Chemie».

Bei der Premiere haben Sie gesagt, dass es gar nicht so einfach gewesen sei, Fördergeld für dieses populäre Thema zu bekommen. Und auch Coop, heutiger Besitzer der Markenrechte von Betty Bossi, war erst reserviert. Da ist man als Produzent gefordert …
Es ist tatsächlich nicht einfach, einen reinen Schweizer Film zu finanzieren, der dazu noch historisch und dementsprechend teuer ist. Ich will jetzt nicht näher auf die Schweizer Filmpolitik eingehen, aber es braucht dringend Reformen bei der Filmförderung. Wir benötigen unbedingt mehr Filme, die eine echte Chance haben, im Kino ein Publikum zu finden. Es werden zu viele Filme produziert in der Schweiz; der überwiegende Teil wird jedoch kaum wahrgenommen. Es braucht eine klare Strategie und nicht einfach ein Giesskannenprinzip. Auch wir wurden bei den Förderungen mit «Hallo Betty» zuerst einmal abgelehnt – simpel und einfach, weil es zu viele Eingaben gab.

Dann blieb aber noch Coop …
Die Sache mit Coop ist nachvollziehbar: Sie machten uns von Anfang an klar, dass sie auf keinen Fall wollten, dass der Eindruck entstehen könnte, Coop als Besitzerin der Marke Betty Bossi würde den Film finanzieren. Sie haben sich auch nie in irgendeiner Form – weder inhaltlich noch künstlerisch – eingemischt. Toll war dann aber, wie sie uns während der Dreharbeiten unterstützt haben, indem sie uns unter anderem sehr viele Requisiten aus den 1950er-Jahren geliefert haben, in denen unser Film bekanntlich spielt.

«Betty Bossi ist einer der grössten Brands in der Schweiz»

Ihre letzten beiden grossen Kinoproduktionen – neben SRF-Serienerfolgen wie «Wilder» – waren die Filme «Schellen-Ursli» und «Platzspitzbaby». Beide gehören zu den erfolgreichsten Kinofilmen des letzten Jahrzehnts in der Schweiz. Sie haben also ein gutes Gespür für die Bedürfnisse des Publikums. Warum, denken Sie, wird «Hallo Betty» die Herzen der Zuschauer vor dem Weihnachtsfest 2025 erobern?
Wie schon gesagt: Betty Bossi ist einer der grössten Brands in der Schweiz. Jedes Kind kennt den Namen, und inzwischen kochen über drei Generationen mit Bettys Kochbüchern. Die Betty-Bossi-Mailänderli sind wohl die beliebtesten Weihnachtsguetzli der Schweiz. «Hallo Betty» ist daher auch der perfekte Weihnachtsfilm für die ganze Familie.

«Hallo Betty» ist auch ein emanzipatorischer Film. War Ihnen das wichtig?
Mir war sehr wichtig, dass dieser Film nicht einfach eine lockere Komödie wird, sondern auch ein Stück Schweizer Zeitgeschichte reflektiert. Emmi Creola war ihrer Zeit tatsächlich weit voraus. Die Werbebranche war in den 1950er-Jahren ausschliesslich eine Männerdomäne. Wie sie sich damals durchgesetzt hat, ist schon sehr erstaunlich. Und ihre Idee, für die Firma Astra Sais, die Margarine und Erdnussöl produzierte, statt Inserate zu publizieren, eine Ratgeberin für die Hausfrau herauszugeben, war hierzulande revolutionär.

Neben der schauspielerischen Leistung ist bei «Hallo Betty» vor allem auch die Ausstattung wichtig. Wie haben Sie es geschafft, die Atmosphäre der 1950er-Jahre so authentisch auf die Leinwand zu bringen?
Wir hatten ein grossartiges Ausstattungsteam. Was dieses Team geleistet hat, ist einzigartig. Man muss sich vorstellen, dass es allein über 4000 Requisiten zusammengetragen oder hergestellt hat. Dazu hatten wir grosses Glück mit unseren Motiven: Wir fanden ein Haus, das eine Woche nach Drehende abgebrochen wurde. Dieses konnten wir komplett nach unseren Bedürfnissen einrichten. Und in Winterthur konnten wir mehrere Stockwerke im Rieter-Areal mieten. Dort wurden die Agentur, der Konsum, das improvisierte Kochstudio und das TV-Studio aufgebaut, und wir konnten wie in einem Filmstudio drehen.

«Hallo Betty» läuft gleichzeitig in allen Landesteilen der Schweiz. Sie haben mir im Vorfeld gesagt, das sei erst bei wenigen Produktionen gelungen …
Das ist so. Mir ist das in den 26 Jahren, in denen es die C-Films inzwischen gibt, eigentlich nur einmal gelungen, nämlich mit «Grounding – Die letzten Tage der Swissair».

Die Zusammenarbeit mit Coop hat sich erst im Laufe der Dreharbeiten entwickelt, ist jetzt aber vor allem für die Bewerbung des Films von grosser Bedeutung. Als Kommunikationsmagazin der Entscheider und Meinungsführer der Schweiz interessiert uns natürlich, wie es gelungen ist, Coop ins Boot zu holen.
Ich hatte am Anfang – also vor fünf Jahren, als wir mit dem Projekt begannen – das Gefühl, dass die Leute bei Coop nicht wirklich daran glaubten, dass dieser Film jemals zustande kommt. Mit der Zeit merkten sie jedoch, dass wir es ernst meinten. Und nachdem wir den Verantwortlichen von Coop dann die ersten Filmmuster gezeigt hatten, zündete der Funke, und sie entwickelten eine tolle Energie. Für uns sind die Aktivitäten, die sie nun rund um den Film-Release entwickelt haben, natürlich Gold wert.



Das Interview mit
Peter Reichenbach ist zuerst in der aktuellen persönlich-Printausgabe vom Dezember erschienen.

Manfred Klemann ist Unternehmer. Er ist an C-Films beteiligt. Zudem ist er Miteigentümer des persönlich-Verlags.


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