Um den Effekt eindeutig nachzuweisen, verglichen die Forschenden die Englisch- mit den Mathematikkenntnissen in verschiedenen europäischen Ländern. Die Idee dahinter: Während die TV-Praxis die Englischkenntnisse direkt beeinflusst, sollten die Matheleistungen davon unberührt bleiben und dienen so als neutraler Vergleichswert für das allgemeine Bildungsniveau eines Landes.
«Grosser positiver Effekt der Untertitelung»
Das Ergebnis ist eindeutig: Die Studie mit dem Titel «Out-of-School Learning: Subtitling vs. Dubbing and the Acquisition of Foreign-Language Skills» findet einen «grossen positiven Effekt der Untertitelung auf die Englischkenntnisse». Wie bedeutsam diese Unterschiede sind, betont Ludger Wössmann, Leiter des Ifo Zentrums für Bildungsökonomik: «Die Unterschiede sind enorm: In Ländern mit Untertiteln liegt das Sprachniveau im Schnitt mehr als eine ganze Kompetenzstufe höher.» Dieser Effekt ist dabei gemäss Studie «für das Hörverständnis und die Sprechfertigkeit grösser als für das Lesen», was auf das passive Lernen durch den englischen Originalton hindeutet.
«Sprache lernt man nicht nur in der Schule, sondern vor allem im Alltag», sagt Ifo-Forscherin Frauke Baumeister, Ko-Autorin der Studie. «Untertitel sind ein einfaches, kostengünstiges Mittel, um Millionen Menschen nebenbei besseres Englisch zu vermitteln – ganz ohne zusätzlichen Unterricht.»
Vergleich Schweiz – Niederlande
Die Befunde zur Schweiz bestätigen die Beobachtungen der Studie. Die Schweiz ist ein Synchronisations-Land. Obwohl die Schweiz bei den Mathematik-Leistungen gemessen an den Ergebnissen Pisa-Tests zur Weltspitze gehört, sind die Englischkenntnisse gemäss English-Proficiency-Index (EPI) unterdurchschnittlich.
Anders in den Niederlanden, einem Land mit starker Untertitel-Tradition. Das Land weist ein ähnlich hohes Bildungsniveau auf wie die Schweiz, mit ebenfalls exzellenten Pisa-Werten für Mathematik. Im Gegensatz zur Schweiz ist der Englisch-Wert gemäss EPI jedoch der höchste aller untersuchten Länder und übertrifft die bereits hervorragende Mathe-Leistung bei Weitem. Die Studie beschreibt die Niederlande als eines der Länder mit der höchsten Englischkompetenz.
Der Vergleich der Schweiz mit den Niederlanden, die grundsätzlich ein sehr ähnliches Grundbildungsniveau aufweisen, untermauert die politische Schlussfolgerung der Autoren: Die Entscheidung für die Synchronisation von Filmen hat «gravierende Folgen für den Erwerb von Fremdsprachenkenntnissen bei Kindern». Während die Untertitelung ein alltägliches, passives Lernen ermöglicht und fördert, scheint die Synchronisation diese Chance zu nehmen.
«Sprachniveau wäre hier deutlich höher»
«Die Wahl zwischen Synchronisation und Untertiteln ist keine reine Geschmacksfrage – sie entscheidet mit darüber, wie gut eine Gesellschaft Englisch kann und wie sie in der globalisierten Welt kommuniziert», betont Baumeister. «Hätten Deutschland und andere Synchronisationsländer früh auf Untertitel gesetzt, wäre das durchschnittliche Sprachniveau hier deutlich höher.» (pd/nil)