Im neuen Band geht es um die Wikilix-Affäre

Asterix und Obelix - Gallien hat nun eine eigene Zeitung und ein PR-Berater weibelt für Julius Cäsar.

Die Pflicht ist erledigt, nun kommt die Kür: Nach der gelungenen Feuerprobe des ersten Asterix-Bandes in der Ära nach Albert Uderzo legen die neuen Macher von Europas wohl erfolgreichster Comicfigur einen Nachfolger vor: "Der Papyrus des Cäsar".

Während der Vorgänger "Asterix bei den Pikten" schon allein durch den neuen Autor Jean-Yves Ferri sowie den neuen Zeichner Didier Conrad viel Neugier auslöste, muss der Nachfolger durch Inhalt überzeugen. Uderzo, der die Reihe nach dem Tod von Autor René Goscinny seit 1977 alleine weiterführte, stärkte den Nachfolgern immerhin schon den Rücken: "Die beiden brauchen mich nicht mehr", erklärte der 88-Jährige.

Im Vergleich zum ersten eigenen Band konnten sich die beiden Neuen diesmal mehr Zeit nehmen und entschieden, ein politisch ebenso brisantes wie aktuelles Thema aufzugreifen. Zwar hütet der Verlag die Geschichte bis zur Veröffentlichung am 22. Oktober wie einen Goldschatz, doch erste Informationsschnipsel sollen potenzielle Leser schon jetzt anfüttern.

So taucht im neuesten Heft mit dem zwiespältigen Reporter Polemix eine Figur auf, die stark an Wikileaks-Gründer Julian Assange angelehnt ist – und auch beinahe als eindeutige Referenz den Namen Wikilix erhalten hätte. "Wir suchten etwas, das mit der heutigen Welt zu tun hat; wer kontrolliert die Nachrichten, die Kommunikation", verriet Autor Ferri.

Polemix contra Bonus Promoplus

Über seine Zeitung "Gallische Revue" klärt Polemix die Dorfbewohner über die Geschehnisse im Römischen Reich auf. Diese interessieren sich zwar vor allem für ihr Horoskop, erfahren aber auch, dass Julius Cäsar soeben im fernen Rom ein Buch veröffentlicht hat – eine Anspielung auf "Der Gallische Krieg", in dem Cäsar von seinen Kriegserfolgen berichtet.

Nicht nur eingefleischte Asterix-Fans wissen natürlich, dass zumindest ein Fleckchen Galliens nicht unter Roms Knute steht. Ein Umstand, den der Machtmensch Cäsar seinem Senat gern vorenthalten würde.

Damit "Cäsars Geheimnis", wie der Band eigentlich vor einem Namensstreit mit einem anderen deutschsprachigen Werk hätte heissen sollen, nicht am Ansehen des Feldherren nagt, soll der gewiefte PR-Berater Syndicus (im französischen Original: Bonus Promoplus) die Schlacht an der Informationsfront zu dessen Gunsten entscheiden.

Sarkozys Berater

Getreu dem Motto des legendären Regisseurs Alfred Hitchcock, "je besser der Bösewicht, desto besser der Film" gaben sich die Macher bei dieser Figur besondere Mühe. Vorbild für Syndicus waren angeblich mehrere Berater von Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy. Asterix und Obelix finden sich im neuesten Band also mitten in einem Propagandafeldzug wieder, bei dem aber neben allem Ernst laut den Machern wie gewohnt auch die Lacher nicht zu kurz kommen werden.

Mit den Erfolgsaussichten ihres zweiten Werkes nimmt es der in Kalifornien lebende Zeichner Conrad sportlich: "Es ist ein bisschen wie in Hollywood – wenn du einen Film machst und er floppt, weisst du nicht, ob es weitergeht. Und wenn dieses Album nicht läuft, weiss ich auch nicht, ob wir noch eines machen. Das ist normal." Ganz pessimistisch sind er und Ferri jedoch nicht: Beide denken schon über den Inhalt ihres dritten gemeinsamen Bandes nach. (sda/afp)