Rund 50 Islamisten haben am Sonntag in Tunis mit Gewalt versucht, die Vorführung des Dokumentarfilms "Ni Allah, ni Maître" ("Weder Gott noch Meister") zu verhindern; darin beleuchtet die tunesische Filmemacherin Nadia El Fani den Säkularismus in ihrem Land. Die Demonstranten skandierten Parolen wie "Tunesien ist ein islamischer Staat", bevor sie durch die Glastüren des Gebäudes im Zentrum der Hauptstadt brachen, in dem der Film gezeigt werden sollte. Nachdem der Vorführsaal von Polizisten abgeschirmt worden war, wurde das Werk mit einer Stunde Verspätung dennoch projiziert.
Er sei von zwei bärtigen Männern angegriffen worden, die den Inhalt einer Tränengasgranate über sein Gesicht gegossen hätten, berichtet der Organisator Belhedi Habib der Nachrichtenagentur AFP. Die Polizei intervenierte schliesslich und löste die Demonstration auf. Einige wenige der in den Saal Eingedrungenen wurden unter dem Applaus der Anwesenden verhaftet. Das Screening von "Ni Allah, ni Maitre" wurde organisiert vom Kollektiv "Lam Echaml", um die verbale und körperliche Misshandlung von tunesischen Künstlern zu thematisieren. Zuvor sah sich Filmemacherin El Fanai, die aufgrund einer Erkrankung am Abend selbst nicht anwesend war, im Internet einer Hasskampagne ausgesetzt. (sda)