21.01.2026

Solothurner Filmtage

Keine «algorithmische Gemütlichkeit»

Unter Erwähnung der Tragödie von Crans-Montana hat Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider am Mittwochabend die 61. Solothurner Filmtage eröffnet. In einem Jahr, das mit einem Trauertag von solchem Ausmass begonnen habe, sei sie umso dankbarer, hier zu sein.
Solothurner Filmtage: Keine «algorithmische Gemütlichkeit»
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider (Bildmitte) eröffnete die Solothurner Filmtage mit der Co-Leitung Niccolo Castelli und Monica Rosenberg. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

«Filmtage sind Orte der Überraschung.» Man wisse nie, was man zu sehen bekomme, sagte Baume-Schneider weiter und verwies auf den Eröffnungsfilm «The Narrative» von Bernard Weber und Martin Schilt.

Der Dokumentarfilm, der für den diesjährigen Prix de Soleure nominiert ist, erzählt die Geschichte des ghanaischen Investmentbankers und ehemaligen Angestellten der Schweizer Grossbank UBS, der als noch junger Trader die Verantwortung für den Verlust von 2,3 Milliarden Dollar übernahm. Oder mehr noch: Der Film hinterfragt die gängige Darstellung seiner Story und verweist auf die Verantwortung innerhalb eines globalen kapitalistischen Systems.

Bestenfalls, sagte Co-Regisseur Martin Schilt kurz vor Filmstart, gebe das Werk Anlass zu «neuen Diskussionen über die Fehlerkultur in der Finanzdienstleistungsindustrie».

Auseinandersetzung und Perspektivenwechsel

Baume-Schneider betonte im Weiteren die Wichtigkeit der Auseinandersetzung und des Perspektivenwechsels, die solche Filme, und Filmfestivals überhaupt, ermöglichten. «Filmfestivals sind ein Gegenentwurf zu einer Kultur des Vertrauten, des allzu Vertrauten, der algorithmischen Gemütlichkeit», sagte sie.

Letzteres untermalte die Kulturministerin mit einem Beispiel, indem sie sich fragte, welcher Algorithmus wohl die Werke von Edna Politi vorschlagen würde - und zum Schluss kam: vermutlich keiner. Das Programm «Rencontre» dagegen widmet der aus einer libanesisch-jüdischen Familie stammenden Genfer Filmemacherin eine Retrospektive.

Rund 150 Kurz- und Langfilme in den Kategorien Dokumentarfilm, Spielfilm und Animation werden an den diesjährigen Solothurner Filmtagen gezeigt. In der Spezialsektion «Histoires» laufen in diesem Jahr Filme, die Schweizer Filmschaffende wie Produzentin Ruth Waldburger oder Regisseur Edo Bertoglio im New York der 1980er Jahre realisiert haben.

Fokus auf Kitsch

Die Sektion «Fokus» beschäftigt sich mit Kitsch im Kino. Es werden internationale Spiel- und Dokumentarfilme gezeigt, die bewusst mit sentimentalen, künstlichen Mitteln spielen oder gesellschaftliche und politische Funktionen von Kitsch thematisieren.

Die 61. Solothurner Filmtage dauern bis 28. Januar und enden mit der Soiré de clôture, an der die Preise verliehen werden. Mit über 60'000 Eintritten ist die Schweizer Werkschau ein wichtiger Publikumsanlass, aber auch ein Ort des Austauschs für Fachleute der Filmbranche. (sda/spo)

Von Miriam Margani, Keystone-SDA

 


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