Kirchen-Austritt wegen Service-public-Debatte

Natalie Rickli - Ein Walliser Theologe griff die Medienpolitikerin in einem Blog frontal an. Sie habe eine «zerstörerische Kraft». Nun hat die SVP-Nationalrätin ihren Austritt aus der katholischen Kirche eingereicht.

Natalie Rickli habe eine «zerstörerische Kraft», sie «veräussere die Würde der Menschen», schrieb letzte Woche Charles Martig, Direktor des Katholischen Medienzentrums, in einem Blog-Eintrag auf der Homepage seiner Organisation.

Der Grund für den Frontalangriff des Walliser Theologen auf die Zürcher SVP-Nationalrätin: Rickli hatte als Präsidentin der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF) am Dienstag informiert, die KVF-Mitglieder seien sich von links bis rechts einig, dass es ein Nebeneinander der SRG und privaten Medien brauche.

Unter anderem solle zudem der Service-public-Bericht des Bundesrates, der den Auftrag des Senders umschreibt, überarbeitet werden. Für Martig sind diese politischen Forderungen frevelhaft und fast bigott – auch wenn sie in demokratischen Abstimmungen entstanden sind. «Ce n’est pas très catholique, Madame!», lautet sein Fazit – mit dem er einen Stein ins Rollen brachte, wie der «Sonntags-Blick» berichtet.

Rickli hat genug

Rickli hat von der römisch-katholischen Körperschaft jetzt genug. In einem offenen Brief, der dem «Sonntags-Blick» vorliegt, informiert Rickli den Präsidenten der Bischofskonferenz, Charles Morerod, über ihren Austritt. «Dass Herr Martig im Namen der römisch-katholischen Kirche mein politisches Engagement angreift, erschüttert mich – bin ich doch seit meiner Taufe römisch-katholischer Konfession», schreibt sie. «Jetzt reicht es mir.»

Was die Nationalrätin besonders ärgert: Martig kritisiert auch ihre Tätigkeit für ein Schweizer Medienunternehmen. Mit ihrem Beruf besitze sie eine «zerstörerische Kraft gegen die öffentlich-rechtlichen Medien». Sie entgegnet: «Es ist doch normal, dass man als Parlamentarier einen Beruf ausübt – gerade dies ist eine Qualität des Milizsystems.»

Ganz unabhängig ist auch Martig nicht. Er sitzt im Publikumsrat der SRG und ist immer wieder Gast in religiösen Sendungen der TV-Anstalt. (SoBli/cbe)