25.01.2026

Halbierungsinitiative

Kulturschaffende warnen vor massiven Einschnitten

Vier Kulturverbände sprechen sich gegen die SRG-Initiative aus. An den Solothurner Filmtagen warnten sie vor den drastischen Folgen im Falle einer Annahme für die kulturelle Vielfalt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Halbierungsinitiative: Kulturschaffende warnen vor massiven Einschnitten
Jean-Stephane Bron, Regisseur und Filmproduzent (Mitte), spricht neben Fabien Fivaz (links aussen), Präsident Cinesuisse und Ständerat, GP-NE, Anna Pieri Zürcher, Schauspielerin, Yvonne Glur, Musikerin, Marc Trauffer, Volksmusiker und Mundartsänger, Patti Basler, Kabarettistin und Pierre Monnard, Filmregisseur. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Die SRG investiert jährlich rund 32,5 Millionen Franken in den Schweizer Film und in Serien – ein Beitrag, den die audiovisuelle Branche als unverzichtbar erachtet. «Alle in der Schweiz produzierten Serien sind auf die Finanzierung durch den Service public angewiesen», sagte Cyril Tissot, Generalsekretär des Verbands der Westschweizer audiovisuellen Produktion (Aropa), gegenüber Keystone-SDA. «Selbst ‹Winter Palace› wäre ohne das anfängliche Engagement der SRG, das für Netflix als Qualitätsgarantie diente, nicht zustande gekommen.»

Mehr als 1000 Stellen könnten verschwinden

Bei einer Annahme der Initiative wären die Auswirkungen auf die Beschäftigung unmittelbar spürbar. «Von mehr als 5000 Stellen in der Branche wäre ein Drittel betroffen», schätzt Tissot. Die Schauspielerin Anna Pieri Zürcher warnte: «Die Initiative bedroht unsere Fähigkeit, uns durch Kino und Serien zu erzählen. Wofür wir gemeinsam Geld einsetzen, sagt viel darüber aus, welches Land wir sein wollen.»

Der Lausanner Regisseur und Produzent Jean-Stéphane Bron («Mais im Bundeshuus») zieht eine deutliche politische Bilanz: «In der Schweiz haben wir uns kollektiv dafür entschieden, die Landwirtschaft, den Verkehr oder die Universitäten zu subventionieren, weil der Markt allein sie nicht erhalten kann. Dasselbe gilt für Film und Fernsehen. Anstatt ihre Demontage voranzutreiben, sollten wir die SRG wie einen nationalen Schatz hüten.»

Regisseur Bron sieht «Scheindebatte» um Jugendliche

Das Argument, junge Leute müssten für Inhalte zahlen, die sie nicht konsumieren, sei eine «Scheindebatte», findet Bron. «Die Jungen informieren sich massiv online, und genau dort bildet die SRG ein Bollwerk gegen Fake News.» Er verweist auf «Tataki» von RTS, das sich an 15- bis 25-Jährige richtet und auf YouTube, Instagram und TikTok 2,85 Millionen Abonnements verzeichnet. «Welche der politischen Parteien, die die Initiative unterstützen, kann solche Zahlen vorweisen?»

Zur Frage der Kaufkraft relativiert Tissot die versprochene Einsparung: «Wir sprechen von 27 Rappen pro Tag und Haushalt. Im Gegenzug würden wir essenzielle schweizerische und regionale Inhalte verlieren – mit Folgen für die Demokratie und den nationalen Zusammenhalt.» Ohne diese Mittel drohten Schweizer Produktionen von günstig eingekauften Serien und internationalen Formaten verdrängt zu werden.

SRG ist kritische Infrastruktur 

Bron verteidigt die Abgabe als «solidarische Gemeinschaftsleistung»: «Nachrichten, Debatten, Sport gehören zum helvetischen Zusammenleben. Einkommensschwache Menschen sind auf kostenlose und verlässliche Informationen angewiesen.» Die SRG sei eine kritische Infrastruktur wie Strassen oder Elektrizität. «Sie zu schwächen bedeutet, die Schweiz fragmentierter und manipulierbarer zu machen.»

Das Initiativkomitee hingegen argumentiert, mit der Gebührenreduktion von 335 auf 200 Franken pro Haushalt bleibe allen Bürgerinnen und Bürgern «mehr zum Leben». Unternehmen sollen gänzlich von der Abgabe befreit werden. (sda/nil)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Neue Podcast-Folge: Jetzt reinhören