Der strauchelnde Musikriese EMI kämpft verzweifelt gegen die drohende Insolvenz. Nun will das Major-Label offenbar auch das hauseigene Tafelsilber verpfänden. Bisher unbestätigten britischen Medienmeldungen zufolge plant der Konzern, die Rechte an Künstlern wie den Beatles, Blondie oder Norah Jones zu verleihen. Gegen eine "Gebühr" von 400 Millionen Pfund (444,7 Millionen Euro) würde ein Konkurrent den umfangreichen Nordamerika-Musikkatalog fünf Jahre lang managen. Mit dem Geld könnte die EMI-Mutter Terra Firma eine Zwangsübernahme durch den Gläubiger Citigroup verhindern.
Mindestens 120 Millionen Pfund müsste Terra Firma von Investoren auftreiben, um Kreditverpflichtungen bei der Citigroup erfüllen zu können. Andernfalls könnte die Bank die Kontrolle über die EMI schon Mitte Juni übernehmen. Die Rechte an dem Musikkatalog spielen Angaben der Times zufolge allein in Nordamerika jährlich rund 100 Millionen Pfund ein. Das betroffene Repertoire ist vom wirtschaftlich gesunden EMI-Verlag getrennt. Dieser habe die Rechte an den Songs selbst inne, nicht jedoch an deren Aufnahmen.
Sollte die EMI einen Mieter für den Musikkatalog finden, würde sich das Label mit dem bestehenden Portfolio teilweise vom weltweit grössten Musikmarkt zurückziehen. Mit den drei anderen Major-Labels Universal, Sony und Warner Music seien bereits Gespräche aufgenommen worden. Vonseiten der Künstler benötigt Terra Firma offenbar keine Zustimmung, um ihre Werke zu lizenzieren. Angesichts der Finanzprobleme der EMI hatten einige Musiker und Bands jedoch ohnehin bereits erwägt, das Label zu verlassen. (pte)