18.09.2009

USA

Letzte Klappe für "Guiding Light"

Aus für 72-jährige Soap.

Die Schnulzenserie "Guiding Light", bekannt als "Mutter aller Seifenopern", verabschiedet sich nach 72 Jahren von ihrem Publikum. Nach der letzten Sendung am Freitag kommt das amerikanische Melodrama über den fiktiven Ort Springfield in die Mottenkiste. Mit ihrer Premiere am 25. Januar 1937 beim Radiosender NBC war "Guiding Light" eine der ersten Serien, die US-Hausfrauen am Tag jeweils eine Stunde bei Laune hielten. Sie war zwar nicht die erste ihrer Art, aber eine der beliebtesten und half mit, das Genre bekannt zu machen.

Ende der 1930er Jahre gab es in den USA nicht weniger als 64 Radio-Seifenopern. Einige davon wurden später für das Fernsehen adaptiert, "Guiding Light" beispielsweise 1952 für den Fernsehsender CBS. In Deutschland lief die Serie unter dem Titel "Springfield Story" von 1986 bis 1999. Ihren Erfolg verdankten "Guiding Light" und andere der ersten "Soaps" der Autorin Irna Philips. Sie gewann Unternehmen wie den Seifenkonzern Procter & Gamble für Unterbrecherwerbung und schuf damit die finanzielle Grundlage. Ausserdem "schrieb" sie die Drehbücher.

"Soap Operas" werden laut CNN seit 70 Jahren nach einem Muster gestrickt: Sie haben wenig Action, viele Handlungsfäden, schliessen mehrere Generationen ein und spielen bevorzugt in einer kleinen Stadt am Meer oder aber im spital. "Seifenopern sind passé, viel zu altmodisch", urteilt der Medienberater Michael Sands. "Sie sind langweilig und schal. Das Publikum zieht das echte Drama von Reality-Shows vor", sagte Sands zu CNN. Dass "Soaps" in den USA keine Zukunft haben, liegt auch an zwei weiteren Faktoren: Zeit und Geld. Das Stammpublikum amerikanischer Hausfrauen ist geschrumpft, erläutert CNN.

Verglichen mit den Reality Shows sind Seifenopern auch deutlich teurer zu produzieren. Um Kosten zu sparen, wurde "Guiding Light" zuletzt nur noch mit Handkameras und einfachster Ausstattung gedreht. Aber auch das half nicht: Als Schlusslicht der sieben noch verbliebenen Seifenopern in der Zuschauergunst war das Ende aus der Sicht ihres Senders jetzt fällig. (sda)


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