Letzter Gruss an Leslie Nielsen

Reto Salimbeni - Werbefilmer und Filmregisseur schaut zurück auf das Leben seines verstorbenen Freundes.

Don't call me Shirley

Vor einer Woche verstarb der Hollywood-Star Leslie Nielsen im Alter von 84 Jahren. Für viele Mitglieder seiner weltweit riesigen Fangemeinde war sein Gesicht unzertrennbar mit Frank Drebin, dem tollpatschigen Cop aus den Naked Gun Filmen verbunden. Ich hatte die Ehre und das grosse Vergnügen, von diesem grossartigen Menschen ein paar persönliche Lektionen in Sachen Comedy und Filmemachen zu bekommen. Diese Zeit mit Leslie in Toronto werde ich aus verschiedenen Gründen nicht vergessen...

Leslie Nielsens Karriere war äusserst ungewöhnlich, wurde er doch erst im Alter von 60 Jahren zum Star. Geboren wurde er 1926 als Sohn eines Mountie-Polizisten in Regina, der Hauptstadt der urwüchsigen kanadischen Provinz Saskatchewan. Als junger Mann besuchte er die Kunstschule in Toronto und ging dann nach New York. Sein Bruder Erik ging in die Politik und brachte es später bis zum Verteidigungs-minister von Kanada.

Leslie spielte sich durch sämtliche gängigen US-Fernsehserien der 60iger und 70iger Jahre, wie Bonanza, Columbo, MASH, Kung Fu usw. Er spielte dabei stets den tiptop in Schale gekleideten, auf der Seite des Rechts stehenden Anwalt, Richter, Geschäftmann oder Detektiv. Obwohl es immer sein Traum war Komödien zu spielen, wurde er ausschliesslich für seriöse Rollen besetzt - niemand sah in ihm den Komiker.

Dies änderte sich erst 1980 als er in der Komödie Airplane den Part eines Arztes übernahm. Leslies Rolle war zwar klein, aber er spielte sie so trocken und ohne jegliche Gesichtregung, dass seine Dialoge noch schräger und absurder wirkten. Der Film wurde zum Überraschungs-Hit und gilt heute noch als die Mutter aller Spoof-Comedies - der Filme die ein bestimmtes Filmgenre parodieren. In einer legendären Szene von Airplane missversteht Leslie’s Figur das Wort "surely" und antwortet mit "Don't call me Shirley". Dieser Ausspruch ist längst in die Hall of Fame der legendären Filmzitate aufgenommen worden. Selbst heute, dreissig Jahre nach erscheinen des Filmes, wird der Ausspruch in unzähligen Filmen und auf Youtube parodiert. Airplane gehört neben The Godfather zu den Filmen, die am häufigsten im US-Fernsehen wiederholt werden. Kein Thanksgiving oder Halloween ohne Airplane am Fernsehen.

Leslie war ein grosser Meister des Timings, der es verstand seine Pointen auf den Punkt zu spielen. Nie versuchte er einen Witz hinauszuzögern, nie machte er eine unnötige Gestik oder Aktion. Bei ihm sah alles immer leicht und elegant aus. Er verstand sich immer als Teil einer Story und beherrschte wie nur wenige Schauspieler die goldene Comedy-Regel: Less is more!

Diese Art des trockenen Spiels perfektionierte er in die Fernsehserie Cold Squad, aus der schließlich die Filmreihe Naked Gun wurde. Der weltweite Erfolg dieser Trilogie machten ihn Ende der Achtziger und 90iger Jahre dann zum Comedy-Superstar - in einem Alter wo andere Schauspieler in den Ruhestand gehen. Doch Leslies Karriere ging erst richtig los. Kürzertreten gab er für ihn nicht. Bis letztes Jahr stand er regelmässig vor der Kamera. Leslie liebte auch lustige Werbespots und drehte auf der ganzen Welt gutbezahlte Werbungen, die dank Youtube nun ein langes Leben haben werden.

Leslie war einer der zahlreichen Kanadier, die in Hollywood Karriere machten. Wie die meisten Kanadier in Hollywood konnte er sich zwar gut einleben, blieb aber im Herzen immer ein "Canuck". Arrogantes Verhalten und Wichtigtuerei um die eigene Person, blieben ihm fremd. Er liebte die Schauspielerei und war Neuem gegenüber offen.

Aus dieser Neugier heraus, kam es auch zu unserem Zusammentreffen: Ich versuchte damals für meinen ersten Spielfilm Urban Safari in Los Angeles Geld zu finden. Nachdem ich in L.A. aber nur Absagen erhielt, versuchte ich es in Kanada. Durch einen Bekannten wurde Leslie auf mich und mein Projekt aufmerksam und er lud mich nach Toronto ein. Wohlgemerkt war Leslie damals der Comedy-Superstar schlechthin und er nahm sich Zeit für einen Werbe-Regisseur aus der Schweiz der noch keinen Spielfilm vorweisen konnte. Das allein spricht Bände über seinen Charakter.

So flog ich nach Toronto mit der Anweisung im Hotel zu warten, bis sich Leslie bei mir meldet. Ich war natürlich aufgeregt und wusste nicht was mich erwartet. So versuchte ich so lange es ging wach zu bleiben - für den Fall dass sich Leslie meldet. Irgendwann war der Jetleg stärker und ich fiel in einen Tiefschlaf. Bis mich morgens um 5.30h das Läuten des Telefon aus dem Schlaf riss. Leslie war in der Leitung und fragte: "Where are you?" Er sass in seiner Limousine vor dem Hotel und wollte das ich gleich runterkomme. Wenig später sass ich mit ihm in der Limo und wir fuhren zu seinem Filmset.

Was mir als erstes bei ihm auffiel war, dass seine Mimik und Manierismen seiner Filmfiguren sehr ähnlich waren - es war manchmal schwierig nicht zu lachen wenn er etwas Ernstes sagte - weil es halt immer wie Frank Drebin aussah. Leslie gab mir wertvolle Produktionstipps und ermutigte mich meinen Film in Kanada zu drehen. Ihm gefiel das Drehbuch und er analisierte meine Charakteren bis ins Detail. Er fragte mich denn auch wie ich drehen wollte. Ich erwähnte, dass ich auch mit den Schauspielern Improvisieren wolle. Leslie schüttelte nur den Kopf und klärte mich auf, dass jeder einzelne Gag von Airplane oder Naked Gun genauso im Drehbuch stand. "If it’s not funny in the book - it’ll never be funny. It’s your job to write it funny!"

Während Leslie redete ertönte plötzlich ein fürchterlicher Furz... Ich war etwas überrascht, sagte aber nichts. Kurze Zeit später furzte Leslie wieder... Ich grinste, er schaute mich aber ohne den kleinsten Anflug eines ironischen Lächelns an. Wie soll man darauf reagieren? Wahrscheinlich habe ich sehr komisch dreingeschaut. Kurz darauf kamen wir beim Filmset, einem Krankenhaus, an. Leslie wollte dass ich mit ihm den Tag am Set verbringe. So konnten wir zwischen seinen Einsätzen weiter über mein Script diskutieren. Das Personal des Krankenhauses war in heller Aufregung als Leslie eintraf. Als sich eine Ärzte-Gruppe um ihn herum zum Gruppenfoto aufstellte, furzte Leslie wieder - sehr laut. Niemand wusste wie reagieren und man einigte sich stillschweigend darauf den Vorfall zu ignorieren.

Als ich zurück im Hotel war, rief mich Leslies Agent an und klärte mich auf. Ich wurde, wie viele Leute die es mit Leslie zu tun hatten, "Opfer" seines Lieblingswitzes. Er trug immer ein Furzkissen bei sich und setzte es besonders gerne bei unpassenden Situationen ein. Nie verzog er dabei einen einzigen Gesichtmuskel - stets schaute er dabei sehr ernst drein. Die erstaunten Reaktionen seiner Mitmenschen müssen ihn köstlichste amüsiert haben.

Mit Leslie Nielsen hat die Welt einen einzigartigen Komiker verloren, der das Leben liebte und seinen Mitmenschen stets mit grossem Respekt begegnete. Ein Grosser seines Fachs, der sich von der Starmaschine Hollywood nicht verbiegen liess. Auch dank seiner Hilfe konnte ich dann meinen Film noch im gleichen Jahr in Kanada drehen. Thank you Leslie.