Das rasante Wachstum der indischen Film- und Kinoindustrie ist an den großen US-Studios Hollywoods nicht spurlos vorbeigegangen. Bisher wollte es ihnen jedoch nicht gelingen, auf dem Markt Fuss zu fassen. Nun starten sie offenbar eine neue Offensive. Vor Ort sollen künftig mehr Produktionen in indischer Sprache und mit einer Besetzung von lokal berühmten Filmstars unter der Regie der US-Studios gedreht werden. So sind steigende Erlöse an den Kinokassen vielmehr in Bollywood statt in Hollywood zu finden.
Nicht nur die Rekord-Produktion Avatar hatte in der Branche trotz Wirtschaftskrise für Aufschwung gesorgt. Dennoch musste das US-Filmmekka 2009 Federn lassen. So verzeichnete die Unterhaltungsindustrie in Los Angeles 2009 den schwersten Einbruch seit zumindest 16 Jahren. Spürbar war besonders die Abwanderung von Film- und TV-Produktionen. Sowohl Walt Disney, Warner als auch Fox haben etwa ein Auge auf den Großmarkt Indien geworfen.
Im Vorjahr wurden in Indien mit 3,2 Mrd. Kinotickets mehr als doppelt so viele Karten verkauft als in den USA und Kanada zusammen. Bei einer erwarteten durchschnittlichen Wachstumsrate von 11,5 Prozent sollen die Erlöse trotz deutlich günstigerer Kinokarten bis 2013 auf rund 130 Mrd. Rupien (knapp drei Mrd. Dollar) klettern, berichtet Bloomberg unter Berufung auf Daten der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Schon 2008 übertrafen die 1.325 in Hindi und regionalen Sprachen veröffentlichten Filme den Output Hollywoods um mehr als das Dreifache.
Das kräftige indische Wirtschaftswachstum soll in den kommenden Jahren besonders die Mittelschicht stärken und deutlich mehr Besucher in die zahlenmäßig wachsenden Kinos locken. Die Fox-Studios wollen daran etwa mit sechs vergleichsweise kostengünstigen indischen Produktionen pro Jahr partizipieren. Disney arbeitet nach eigenen Angaben daran, eine Marke für Familienunterhaltung in Indien zu etablieren. Neben den Hindi-sprachigen Bollywood-Filmen stehen dabei auch Produktionen in regionalen Sprachen wie Tamil oder Telugu im Fokus. Um den indischen Markt zu erobern, müssten sich die Studios lokal orientieren. (pte)