Milei sprach an einer Veranstaltung der regierungsnahen Denkfabrik Fundación Faro. Am 23. Oktober hatte Richter Marcelo Martínez de Giorgi das Strafverfahren gegen Milei, seine Schwester Karina und neun weitere Beschuldigte eingestellt. Untersucht worden war der Vorwurf des Betrugs im Zusammenhang mit dem Kryptotoken «Libra». Milei hatte im Februar 2025 auf X dafür geworben, kurz darauf brach der Token ein. Durch die Berichterstattung über den Fall sieht sich der Präsident ungerecht behandelt.
Gemäss einer Meldnug der Nachrichtenagentur Keystone-SDA nannte Milei in der Rede fünf Medienschaffende beim Namen und bezeichnete sie als «korrupt und Söldner der Lüge». Das Publikum applaudierte. Laut der Zeitung La Nación standen die Namen bereits in einem Beitrag, den Milei am Tag des Entscheids auf X veröffentlicht hatte: Hugo Alconada Mon, Carlos Pagni, Paulino Rodríguez, Natalia Volosín und Luis Novaresio. Darin fragte er, wer ihn nun für ein Jahr und acht Monate Lügen und Verleumdungen entschädige.
Alconada Mon hatte für La Nación über die Einstellung des Verfahrens berichtet. Laut seinem Artikel waren beim Entscheid einzelne Ermittlungsschritte nicht abgeschlossen, darunter die Rückverfolgung von Transaktionen auf der Blockchain.
Widerspruch kam auch aus dem eigenen Lager. «Eine Grenze wurde überschritten», sagte Patricia Bullrich, Fraktionschefin der Regierungspartei La Libertad Avanza im Senat. Die frühere Sicherheitsministerin blieb aus Protest der Kabinettssitzung fern.
Neben der UNO will Amnesty auch die Interamerikanische Menschenrechtskommission einschalten. Wer Journalisten an den Pranger stelle und Bilder von Gewalt verwende, trage zu einem Klima der Einschüchterung bei, sagte Mariela Belski, Geschäftsführerin von Amnesty Argentinien.
Mileis Angriffe auf die Presse haben System. Reporter ohne Grenzen (RSF) zählte zwischen dem 1. April und dem 17. Mai 2026 auf seinem X-Konto 1674 pressefeindliche Beiträge, im Schnitt mehr als 35 pro Tag. Zu seinen wiederkehrenden Parolen gehört laut RSF der Satz «No odiamos lo suficiente a los periodistas» – «Wir hassen die Journalisten nicht genug». In der RSF-Rangliste der Pressefreiheit liegt Argentinien auf Platz 98 von 180, 69 Plätze tiefer als 2022. (sda/dpa/nil)