Nach Neugründung vor Grundsatzentscheid

Schweizer Filmakademie - Sogar frühes Ende steht zur Debatte.

Die Schweizer Filmakademie fühlt sich vom Bundesamt für Kultur (BAK) überrumpelt: Die vor Jahresfrist gegründete Akademie ist gar nicht erbaut darüber, dass sie künftig die Verleihung des Schweizer Filmpreises selber organisieren soll. Am Freitag findet in Bern eine Mitgliederversammlung statt, an der ein Grundsatzentscheid über die künftige Ausrichtung der Akademie gefällt werden soll. Sogar ein frühes Ende steht gemäss Einladung zur Debatte: "Filmakademie Ja oder Nein?", heisst es da.

Die vom Filmemacher Fredi M. Murer ("Vitus") präsidierte Institution sieht ihr "Kerngeschäft" darin, die besten Beiträge des Schweizer Filmschaffens zu nominieren und die Sieger zu küren. Dies hat sie im Rahmen der diesjährigen Preisvergabe auch getan. Mittlerweile erwartet das BAK offenbar mehr: Wir sind "bereit, die Filmakademie in ihrem Willen zu unterstützen, den Schweizer Filmpreis für die Jahre 2010-2011 selber zu organisieren", heisst es in einem auf der Webseite der Akademie veröffentlichten Brief, den BAK-Direktor Jean-Frédéric Jauslin Anfang April verfasst hat.

Murer dementiert direkt: "Die Filmakademie beabsichtigte zu keiner Zeit, den Schweizer Filmpreis zu organisieren", schreibt der Präsident den Akademie-Mitgliedern. Der BAK-Vorschlag entspreche den Zielen der Institution nicht. Der Vorstand möchte, dass die Mitglieder das Angebot zurückweisen. Die Organisation des Filmpreises soll nach dem Willen des Vorstandes von den Solothurner Filmtagen und dem Branchenverband Cinésuisse übernommen werden. Die Solothurner Filmtage seien dazu "grundsätzlich bereit", heisst es.

Ebenfalls Interesse signalisiert hat offenbar die Promotionsgesellschaft SWISS FILMS. Jauslin selbst habe SWISS FILMS aufgefordert, einen eigenen Vorschlag einzureichen - "zur grossen Überraschung" des Akademievorstandes, wie Murer schreibt. Vom Bundesamt für Kultur sind vorderhand keine Auskünfte zu erhalten. Medienanfragen zum Thema würden erst beantwortet, wenn die Akademie abschliessend auf den Vorschlag des BAK reagiert habe, erklärte BAK-Filmchef Nicolas Bideau gegenüber der SDA. (sda)