Narration und die Lust am Experiment im Vordergrund

Kurzfilmtage Winterthur - Das Festival setzt auf ein Spezialprogramm über den arabischen Raum.

Die 19. Internationalen Kurzfilmtage Winterthur (3. bis 8. November) widmen ihr kuratiertes Hauptprogramm Filmen aus dem arabischen Raum. Zudem gibt es eine Werkschau über das Filmschaffen in Bhutan und Nepal. Für die beiden Wettbewerbe sind 58 Filme selektioniert, ungewöhnlich viele aus Asien.

Insgesamt präsentiert das Festival über 200 Kurzfilme aus dem In- und Ausland. Gezeigt werden sie im Casinotheater, im Theater Winterthur sowie im neuen Kino Cameo. Die Organisatoren rechnen mit rund 17'000 Eintritten und über 600 Gästen aus der internationalen Filmbranche, wie sie am Dienstag vor den Medien sagten.
 
Narration im Vordergrund
 
Die Lust am Erzählen zieht sich nach den Worten des künstlerischen Leiters John Canciani durch den ganzen Wettbewerb. "Wo in den Vorjahren noch formale Aspekte im Vordergrund standen, sind die Filmschaffenden dieses Jahr um Narration besorgt", sagte er. Der internationale Wettbewerb umfasst 39 Filme aus 24 Ländern. In vielen würden "gesellschaftsrelevante Themen" behandelt. Der Anteil an Filmen aus Asien ist mit acht Werken so hoch wie noch nie. Ungewöhnlich gross ist auch die Zahl der Spielfilme im Wettbewerb.
 
Das Niveau der Schweizer Wettbewerbsfilme sei dieses Jahr besonders hoch. Es ist laut Canciani "die stärkste Schweizer Auswahl der letzten Jahre". Nicht weniger als fünf einheimische Werke sind denn auch im internationalen Wettbewerb vertreten.
 
Vor allem die Dokumentationen überzeugten. Die Themen reichen vom Franco-Regime über Schweizer Atomkraftwerke bis zum arabischen Frühling. Wie in den Vorjahren sind auch wieder arrivierte Filmschaffende im Wettbewerb vertreten.
 
"Poetisches und sinnliches Kino"
 
Mit dem Programm "Arab Encounters" wollen die Kurzfilmtage dem Publikum die arabische Kultur näher bringen. Der Alltag der Menschen stehe im Mittelpunkt, es handle sich um "poetisches und sinnliches Kino", sagte Canciani. Filmisches Neuland zu entdecken gebe es in der Werkschau Bhutan/Nepal. Die beiden Himalaya-Ländern hätten eine lebhafte, unabhängige Filmszene. Die eigenwilligen Filmemacher seien auf der Suche nach einer eigenen Filmsprache und zeigten ihre Lust am Experiment.
 
Spezialprogramme zusammengestellt wurden überdies mit Found-Footage-Werken der Video- und Experimentalfilmer Christoph Girardet und Matthias Müller, mit Schweizer Premieren von Andy Warhol und über "99 Jahre Dada".
 
Präsentiert werden am zweitletzten Festivaltag zudem fünf Kurzfilme, die noch nicht fertiggestellt sind: Fünf Filmschaffende aus verschiedenen Krisengebieten sind seit Ende September daran, Kurzfilme über die Region Winterthur und ihre Menschen zu drehen. Das Thema des diesjährigen Projekts lautet "im Exil". (sda)