Neun Mutige für den «Prix Courage 2016» nominiert

Beobachter - Unter den Anwärter hat es Namen, die öffentlich von sich reden gemacht haben. Der Preisträger wird am 4. November in feierlichem Rahmen in Zürich geehrt. Die Jury leitet Ständerätin Pascal Bruderer.

Der «Beobachter» hat die Nominierten für den «Beobachter Prix Courage 2016» bekanntgegeben. Die Kandidaten kommen aus den Regionen Zürich, Aargau, Bern, Wallis, Zug und Luzern.

Saida Keller-Messahli aus Zürich

Sie nimmt kein Blatt vor den Mund. Obwohl sie von streng­gläubigen Muslimen dafür verachtet wird und immer wieder Morddrohungen bekommt, kämpft die gebürtige Tunesierin als Präsidentin des «Forum für einen fortschrittlichen Islam» unentwegt für einen weltoffenen, integrativen und toleranten Islam. Indessen kritisiert sie fundamentalistische Hassprediger und fordert eine Debatte unter Muslimen über veraltete Rollenbilder. Ihren immer grösseren Einsatz leistet sie seit 2004, freiwillig und uneigennützig.



Mathias Gräzer aus Dübendorf ZH

Er stutzte, als der Nationalrat die Kosten für die Sanierung der Duro-Kleinlastwagen der Armee bekanntgab. Als Hauptmann und profunder Kenner des Duro hatte er berechnet, dass die Fahrzeuge für den halben Preis ausgetauscht statt saniert werden könnten. Gräzer machte seine Ansichten publik und entfachte damit eine öffentliche Diskussion, die sonst wohl nur von Insidern wahrgenommen worden wäre. Sein Engagement blieb dennoch erfolglos und seine militärische Karriere ist wahrscheinlich beendet – trotzdem würde er, dem Grundsatz der Demokratie folgend, erneut so handeln.



Michael Räber aus Kiesen BE

Er wollte letzten Sommer in Griechenland eigentlich nur Ferien machen. Als er in Athen auf menschenunwürdig dahinvegetierende Flüchtlinge traf, entschied er sich kurzerhand, diesen Menschen zu helfen. Noch am gleichen Tag klapperte er Lebensmittelläden ab, um für sie zu kochen. Weitere zwei Tage Organisationszeit brauchte er, um seine Frau und seinen Job als IT-Spezialist in der Schweiz zurückzulassen, mit einem Bekannten das Minihilfswerk schwizerchrüz.ch zu lancieren und schliesslich sieben Tage die Woche dort anzupacken, wo seine Hilfe am meisten gebraucht wird.

René Gloor aus Oberkulm AG

Er wurde unerwartet zum Lebensretter in einem Beziehungsdrama. Durch zwei schreiende Frauen wurde er auf einen Mann in einem Auto aufmerksam, der wie von Sinnen mit einem Messer auf seine Frau einstach. Ohne zu zögern packte Gloor den Mann, zerrte ihn aus dem Auto und hielt ihn am Boden fest, bis die Polizei eintraf. Die blutüberströmte Frau wurde mit 35 Stichwunden ins Spital gebracht – und überlebte.

Zeqir Rexhaj aus Wohlen AG

Er traute seinen Augen nicht, als neben ihm ein Flugzeug abstürzte und Feuer fing. Der Kosovare handelte unerschrocken: Er rannte zum brennenden Wrack, zog den ebenfalls bereits brennenden Piloten aus dem Flugzeug und erstickte die Flammen an dessen Körper mit einem Tuch. Trotz des mutigen Rettungseinsatzes von Zeqir Rexhaj überlebte der 70-jährige Pilot die Nacht jedoch nicht.

Rolf Fähndrich aus Egolzwil LU

Er hat sich bei einer Technoparty zum «persönlichen Schutz­engel» seiner Kollegin gemacht. Diese wurde von einem Mann mit einem Messer attackiert. Fähndrich sprang auf den Angreifer zu und schlug ihm gegen den Kopf. Der Angreifer liess zwar von der Frau ab, stach dafür aber Fähndrich die Klinge in den Hals. Erst vier Tage, eine Notoperation und 15 Stiche später konnte dieser das Luzerner Kantonsspital wieder verlassen.

Johanna Gündel aus Oberwil-Lieli AG

Sie war mit der Haltung von Gemeindeammann Andreas Glarner, der sich Flüchtlingen gegenüber sehr ablehnend zeigte, keineswegs einverstanden. Sie lehnte sich gegen den mächtigen Lokalpolitiker auf, gründete eine Interessen­gemeinschaft für ein solidarisches Oberwil-Lieli und forderte die Bevölkerung zur Teilnahme an der Gemeinde­versammlung auf. Mit Erfolg. Über 50 Prozent stimmten der Aufnahme von Flüchtlingen zu. Zwar wurde die parteilose Studentin Ziel von beleidigenden und drohenden Briefen, doch sie bereut die Aktion keine Sekunde.

Guido Fluri aus Cham ZG

Er erreichte mit seinem konsequenten, unermüdlichen Einsatz für zahlreiche Verdingkinder und andere Opfer fürsorglicher Zwangsmassnahmen, dass man ihr Leid endlich ernst nimmt und sich der Staat für diese oft willkürlich getroffenen Massnahmen entschuldigte. Sein Engagement trug wesentlich zur Annahme der Wiedergutmachungs-Initiative bei. Die Betroffenen dürften somit immerhin bald in den Genuss eines staatlichen Solidaritätsbeitrages kommen.

Barbara Imboden ist in Herbriggen VS

Sie war auf dem Heimweg, als sie einen Mann schreien hörte. Mitten in einer Menschentraube sass ein aufgelöster Vater mit seiner 17 Monate jungen Tochter, aus deren Mund Blut tropfte. Das Mädchen atmete nicht. Keiner der Umstehenden tat etwas. Trotz der Befürchtung, dass es bereits zu spät sein könnte, begann Barbara Imhof mit der Reanimation – und sie gelang! Das Kleinkind, das drei Wochen zuvor eine Batterie verschluckt hatte, holte tief Luft, begann zu schreien und konnte ins Inselspital gebracht werden.

Ehrung am 4. November

Die Wahl des Preisträgers erfolgt sowohl durch das Publikum via Telefon- und SMS-Voting als auch durch die Jury unter der Leitung von Ständerätin Pascale Bruderer. Der «Beobachter Prix Courage» ist mit 15’000 Franken dotiert. Der Preisträger wird am 4. November in feierlichem Rahmen in Zürich geehrt. (pd)