"Open Airs sind krisenresistenter als 'Jekami-Veranstaltungen'"

- Mit dem Greenfield Festival in Interlaken beginnt dieses Wochende die Open Air-Saison mit den grossen Musikfestivals. Fester Bestandteil des Musiksommers sind auch die Open Airs von St. Gallen und Frauenfeld sowie das Gurtenfestival in Bern. Zum Auftakt macht nicht nur das Wetter mit, auch die Krise scheint dem Publikum, den Veranstaltern und den Sponsoren nicht die Stimmung zu verderben, wie eine Umfrage von "persoenlich.com" zeigt. Die Open Air-Wetterlage:

Faith No More, Oasis, Peter Fox oder Kayne West sind nur einige der zahlreichen Musiker, die diesen Sommer einen Abstecher in die Schweiz unternehmen, um das Publikum an den Schweizer Open Airs zum Kochen zu bringen. Nicht ins Schwitzen zu kommen scheinen die Veranstalter. Trotz Krise rechnen sie nicht mit weniger Konzertbesuchern und auch an der Sponsorenfront scheint noch die Sonne.

"Mit dem Vorverkauf sind wir bisher sehr zufrieden und liegen derzeit auf dem Niveau vom Vorjahr", sagt Thomas Dürr, Veranstalter des Greenfield Festivals, auf Anfrage von "persoenlich.com“. Auch aus St. Gallen wird gemeldet, der Ticketabsatz laufe "vergleichbar gut" wie im letzten Jahr. In Frauenfeld lag man schon zwei Monate vor dem Open Air bei 30 Prozent mehr verkauften Tickets als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Und auch Michael Günter, Medienverantwortlicher des Berner Gurtenfestival kann vermelden: "Im Vergleich zum Vorjahr läuft der diesjährige Vorverkauf erfreulicherweise besser."

Mehr Publikum dank Krise

Die Festivalbesucher erscheinen also trotz oder vielleicht gerade wegen der Wirtschaftskrise in Scharen. Für Michael Günter stellt sich die Frage, ob die Krise bei der Bevölkerung jetzt schon spürbar ist. "Es gibt sicherlich die Tendenz, dass wenn man spart, dann beim Urlaub. Man gönnt sich wahrscheinlich lieber was 'zu Hause' und ein Openair bietet dazu sicherlich einen tollen Rahmen, um abzuschalten und den Alltag zu vergessen." Die Kultur- und Unterhaltungsbranche habe immer wieder in Krisenzeiten einen geeigneten Ausgleich bieten können.

Bei den Verantwortlichen des Open Air St. Gallen sieht man das ähnlich. "Gerade in vielleicht etwas schwierigeren Zeiten darf das Vergnügen nicht zu kurz kommen und viele Leute haben umso mehr Lust, aus dem Alltag auszubrechen", erklärt Pressesprecherin Sabine Bianchi gegenüber "persoenlich.com". Thomas Dürr meint: "Das wir keine Auswirkungen spüren, liegt sicherlich an unserem Publikum. Unser Besucher ist nicht der typische UBS Manager." Das Greenfield Festival gehöre zum fixen Programmpunkt der Fans.

Tatsächlich zeigt sich, dass für den Publikumserfolg nicht nur das Line Up der Bands entscheidend ist. Viele Besucher kommen, weil der Besuch eines Open Airs zu einem eigentlichen Ritual geworden ist. Dürr: "Auch dieses Jahr wurde ein grosser Teil der Dreitagespässe schon vor Ankündigung der ersten Bands verkauft." Trotzdem glaubt der Veranstalter des Greenfield Festivals, dass das Line Up das Herz des Festivals und somit der entscheidende Punkt ist. "Seit Beginn 2005 ist das Festival seiner Rock-Linie treu geblieben. Die Besucher vertrauen auf ein entsprechendes Musikprogramm."

Auch in St. Gallen und Bern können die Veranstalter auf ein grosses Stammpublikum zählen. "Schlussendlich ist es das Gesamterlebnis, das zählt", meint Sabine Bianchi. Und auch Michael Günter stimmt zu: "Die Festivals gehören bei vielen Leuten mittlerweile zum Jahres-Happening, bei welchem das Musikprogramm eher sekundär ist. Aber das Line Up ist sicherlich für den Grossteil der Besucher ein wichtiger Kauffaktor und muss den Nerv der Zeit treffen."

Sponsoren haben Budgets zum Teil reduziert

Bei Publikum ist das Interesse also ungebrochen, doch alle Musikfestivals sind für die Finanzierung vor allem auch auf die Sponsoren angewiesen. "In einem übersättigten kulturellen Eventmarkt Schweiz ist die Akquisition von Firmen von Jahr zu Jahr schwieriger und extrem aufwendiger geworden", erklärt Thomas Dürr. "Trotzdem ist es uns gelungen wiederum die Partnerpakete vollständig zu verkaufen." Das Greenfield Festival habe insgesamt mehr Sponsorenverzeichnungen als im letzen Jahr.

In St. Gallen bestehen in den meisten Fällen mehrjährige Partnerschaften. "Wir haben sehr treue Sponsoren", so Sabine Bianchi. "Es gibt Fälle, da wurden Budgets gekürzt und einzelne Partner sind auch abgesprungen, da sie ihre Budgets momentan eher für den Absatz/Handel einsetzen als für Sponsoring."

Dass Sponsoren vorsichtiger geworden sind, bestätigt auch Marc Schlittler. Er ist Geschäftsführer von PRfact und betreut mit seiner Agentur auch Mandate von Sponsoren der Schweizer Open Airs. "Der Sponsoring-Markt ist bezüglich der grossen Engagements rückläufig. Auch haben wir bei unseren Projekten festgestellt, dass potentielle Geldgeber zwar nach wie vor Sponsoring als Kommunikationsmassnahme schätzen, aber zurückhaltend sind, wenn es um konkrete Vereinbarungen geht." Grundsätzlich seien die Budgets kleiner als in Vorjahren.

Für Schlittler sind es aber manchmal auch die Event-Veranstalter, die ein grösseres Engagement eines Unternehmens verhindern. Das Prinzip des Sponsorings gehe von einer WinWin Situation aus. Während die Sponsoren vom Image eines Events profitieren und dort ihre Zielgruppen ohne grossen Streuverlust ansprechen wollen, benötigen die Veranstalter die Mittel, um einen Event überhaupt organisieren zu können.

Von daher versuchen laut Schlittler immer beide Seiten, eine optimale Zusammenarbeit zu gewährleisten. "Die Veranstalter machen aber zum Teil restriktive Vorgaben, so dass kreative Ideen der Sponsoren keinen Platz finden. Und dies obwohl dadurch positiv zum Gesamterlebnis beigetragen würde." Für die Sponsoren gilt also nicht, wer bezahlt, der befiehlt.

Nokia und Bacardi mit langfristigem Engagement

Nokia ist Titelsponsor beim Greenfield Festival und auch Hauptsponsor beim Open Air in Frauenfeld. Beim Handy-Hersteller sind die Sponsoringbudgets gleich geblieben, wie die Medienstelle auf Anfrage von "persoenlich.com" erklärt. Bei den Zielen die Nokia mit dem Sponsoring verbindet, geht es in erster Linie um den direkten Kontakt zur Zielgruppe.

"In Face-to-Face Gesprächen und live Demonstrationen bringen wir unserer Zielgruppe unsere Nokia Services und Produkte näher". Ein zweites Ziel sei die Betonung der Kompetenzen zu einem oder mehreren Themen der Konvergenz, Musik oder Navigation. Der Sommer 2009 stehe dabei ganz im Zeichen der Musik, da Nokia Ende Juni ein neues Angebot zum unbegrenzten Musikdownload lancieren wird.

Auch bei Bacardi wird nach eigenen Angaben nicht bei den Engagements an den Open Airs gespart. Das Unternehmen ist mit dem Bacardi Dome an fünf der grössten Open Airs präsent. "Wir glauben an die langfristige Pflege unserer Marken, die nicht durch kurzfristige Ereignisse eingeschränkt werden sollte", sagt Brand Manager Roman Küng zu "persoenlich.com".

Der Stellenwert des Sponsoring ist laut Küng aufgrund der Werbeverbote für Alkohol nicht grösser geworden. "Das Sponsoring hatte schon seit jeher einen grossen Stellenwert bei Bacardi. Dies ist weltweit so, nicht nur in der Schweiz, die im Vergleich zu den meisten europäischen Ländern sehr restriktive Regelungen im Bereich der Alkoholwerbung kennt."

Der Krise getrotzt

Insgesamt scheinen die Schweizer Open Airs der schlechten Wirtschaftslage trotz der Vorsicht der Sponsoren zu trotzen -- die Musik wird in diesem Sommer für viele im wahrsten Sinne des Wortes den Ton angeben. Thomas Dürr zeigt sich abschliessend überzeugt: "Open Airs, die ihr eigenes Profil haben, auch aufgrund des jungen Publikums, sind krisenresistenter als 'Jekami-Veranstaltungen'."

(Text: Stefan Wyss)

--> http://www.greenfieldfestival.ch

--> http://www.openairsg.ch

--> http://www.openair-frauenfeld.ch

--> http://www.gurtenfestival.ch