Frau Schlittler, zwei Tage nach dem spektakulären Interview mit Meghan und Harry. Wird dies den englischen Königshof grundlegend erschüttern?
Erschüttern auf jeden Fall. Der Buckingham-Palast wurde stark von Herzogin Meghans Rassismus-Granate getroffen. Dies bleibt in der Gedächtnis-DNA, auch Generationen später. Unabhängig davon, wie die Queen nun mit den schweren Vorwürfen umgeht. Das Ende der Monarchie wird es hingegen nicht bedeuten.
Wer ist der Sieger, wer der Verlierer des Interviews?
Es gibt dabei keine Sieger, nur Verlierer. Die Royals, die den Rassismus-Vorwurf nie mehr ganz loswerden. Meghan und Harry, weil der familiäre Bruch nie ganz verheilen wird. Zudem wird Meghan so als Märtyrerin, allein mit Vorwürfen, nicht in die Geschichte eingehen. Was sie einzig gewinnen wird, ist das Katapultieren in die A-Liga der US-Stars, was ihr als Seriendarstellerin nie gelungen ist.
Wenn Sie die weltweite Resonanz des Gesprächs betrachten, wo liegen die Sympathien?
Die ältere Generation sympathisiert mit der Queen. Die jüngere, die Social-Media-Generation, mit Meghan. Weil sie wichtige Themen wie mentale Gesundheit und Rassismus öffentlich anspricht.
Meghan unterstellt dem englischen Königshaus Rassismus. Zu Recht?
Dass sie als Betroffene immer schon mit Rassismus konfrontiert wurde, wie sie des Öfteren äusserte, würde ich ihr nie in Abrede stellen. Dazu ist zu sagen, dass es richtig und wichtig ist, Rassismus öffentlich zu machen und dagegen anzukämpfen. Nur basieren die Vorwürfe der Herzogin gegenüber dem britischen Königshaus nicht auf einer eigenen Erfahrung, sondern auf einer Behauptung. Sie selbst wurde damit nicht direkt konfrontiert, ihr Mann, Prinz Harry, hat ihr davon erzählt. Mit wem er diese Gespräche führte – offensichtlich nicht mit der engsten Königsfamilie –, blieben sie und ihr Gatte allen schuldig. Daher trifft der Vorwurf nun alle.
Das Interview wurde weltweit von sehr vielen Stationen übertragen. Wer verdiente dabei vor allem?
Talkmasterin Oprah Winfrey und der US-Sender CBS. Dieser soll ihrer Produktionsfirma «Harpo Productions» neun Millionen Dollar für die Lizenzrechte bezahlt haben, inklusive der Vermarkung am internationalen Markt. Herzogin Meghan und Prinz Harry bestätigten am Anfang des Interviews, dafür keine Gage erhalten zu haben.
Wie wird es jetzt mit Harry und Meghan weitergehen?
Sie werden weiter Fuss fassen in der Privatindustrie. Ihr Netflix- und Spotify-Deal wird auf gegen 180 Millionen Franken geschätzt, das Honorar für Reden auf 500'000 Franken bis zu einer Million. Durch ihren nun gesteigerten Marktwert wird ihnen prophezeit, dass sie bald bei einer Milliarde sein werden. Es würde mich nicht erstaunen, wenn sie bald ihre eigene «Morning Show» auf einem nationalen TV-Sender hätten. Was sie bestimmt auch immer machen werden, ist über Themen wie mentale Gesundheit zu sprechen.
Hat nun Harry alle Brücken zum englischen Königshaus abgebrochen?
Für die nächste Zeit denke ich schon. Prinz Charles, dem sein Sohn vorwarf, er habe seine Telefonate nicht mehr erwidert und alle hätten ihn und Meghan im Stich gelassen, als sie Hilfe brauchten, muss sich erst überlegen, wie er für sich und je nachdem öffentlich damit umgeht.
Wie schlägt nun das Königshaus zurück?
Darauf warten nun alle gespannt. Scheinbar hat die Königsfamilie den Montag mit Krisentreffen verbracht. Ein Statement soll schon geschrieben sein, in dem die Königin ihre Liebe für Harry und Meghan zum Ausdruck bringt. Öffentlich gemacht wurde es noch nicht. Der Druck auf das Königshaus ist da, raschestmöglich zu reagieren.
Für Sie als Boulevardexpertin: Wie ist die Resonanz auf Harry und Meghan in der Schweiz?
Ich nehme sie als reflektiert und kritisch wahr. Nicht nur Meghan ist das Opfer, nicht nur das Königshaus die Täterschaft. Das gehört zur journalistischen Pflicht. Bei der Befragung von Leuten auf der Strasse, wie es Blick TV getan hat, herrscht ein anderer Tenor. Da wird Meghan vorwiegend als narzisstische Ruhestörerin wahrgenommen. Das Paar als verwöhnt und undankbar angesehen.
Glaubensfrage: Wer ist für Sie interessanter: Meghan oder Irina Beller?
Es geht nicht um die Person, sondern um die Geschichte.