Regierung will Community-Portale überwachen

Grossbritannien - Gegner orten "gefährlichste Schnüffeloffensive in Geschichte".

Soziale Community-Portale wie Facebook oder MySpace könnten in Grossbritannien bald umfassend im Auftrag der Regierung überwacht werden. Geht es nach den Plänen des britischen Innenministeriums, sollen die Betreiber der Netzwerk-Plattformen künftig dazu verpflichtet werden, die detaillierten Kontaktdaten der User zu speichern und im Bedarfsfall an Sicherheitsbehörden weiterzugeben. Diese sollen dadurch in ihrer Ermittlungstätigkeit unterstützt werden.

Obwohl von Regierungsseite versprochen wird, kein Interesse an den konkreten Kommunikationsinhalten der rund 25 Millionen Community-Mitglieder in Grossbritannien zu haben, sondern lediglich an den dort geknüpften Kontakten, laufen Oppositionspolitikern und Bürgerrechtsgruppen bereits Sturm gegen die "Big Brother"-Pläne.

Von Seiten der britischen Regierung wird vor allem damit argumentiert, dass die neuen Regelungen in erster Linie der "inneren Sicherheit" im Land zugute kommen sollen. "Die Kommunikationsrevolution ist in unserem Land besonders rasant vorangeschritten. Die Art und Weise, wie wir Kommunikationsdaten sammeln und Gesetzesvollzugsbehörden zur Terrorismusbekämpfung zur Verfügung stellen, muss dringend auf den aktuellsten Stand gebracht werden", erklärt ein Sprecher des Innenministeriums laut BBC.

"Gerade die sozialen Online-Netzwerke beinhalten viele sensible personenbezogene Informationen wie beispielsweise die sexuelle Orientierung, die Angehörigkeit zu einer bestimmten Glaubensgemeinschaft oder die bevorzugte politische Ideologie eines Menschen", kritisiert auch Tom Brake, Parlamentsabgeordneter der Liberal Democrats, in einem aktuellen Interview mit der britischen Tageszeitung "Independent". Er sei "zutiefst besorgt" über die Richtung, die man von Seiten der britischen Regierung eingeschlagen habe.

Von dem Überwachungsvorstoss seien aber nicht nur die Communitys betroffen, sondern letztendlich auch die gesamte Telefon- und E-Mail-Kommunikation der Bevölkerung, die künftig in einer einzigen zentralen Datenbank gespeichert werden sollen. "Diese Pläne stellen die gefährlichste Schnüffeloffensive in der Geschichte Grossbritanniens dar", stellt Brake fest. In Anbetracht der in der Vergangenheit bereits des Öfteren beobachtbaren Unfähigkeit der Regierung im Umgang mit sensiblen Daten, sei die Errichtung einer derart umfassenden Datenbank eine enorme Bedrohung für die Privatsphäre der Bevölkerung Grossbritanniens. (pte)