Scheichs investieren weitere Milliarde

Hollywood - Filmstudios reissen sich um Finanzspritze aus Abu Dhabi.

Für Scheichs bleibt Hollywood ein interessantes Investmentgebiet. Erst vor Jahresfrist hatte die Abu Dhabi Media Company, ein von der Regierung Abu-Dhabi kontrollierte Firma, einen Milliardenvertrag mit Time Warner abgeschlossen. Nun sieht es danach aus, als stehe der nächste schwergewichtige Traumfabrikvertrag vor dem Abschluss. Wie die New York Times berichtet, steht Abu Dhabi Media kurz vor dem Vertragsabschluss mit drei grossen Filmproduzenten. "Wir werden eine Mrd. Dollar in den nächsten fünf Jahren in die Produktion von abendfüllenden Filmen investieren", erklärt Edward Borgerding, Chief Executive von Abu Dhabi Media Company.

Um wen es sich bei den drei Produzenten handelt, wollte Borgerding noch nicht bekannt geben. Diese Überraschung wolle er sich für das Toronto-Filmfestival aufheben, das heute, Donnerstag, startet. Es sickerte aber bereits durch, dass alle drei Produzenten ihrerseits Büros in Abu Dhabi eröffnen werden. "Damit wollen sie ihre Position auf der arabischen Halbinsel stärken", meint ein Filmexperte. Denn seit längerem schon versuchen US-Firmen Fuss in den reichen Öl-Staaten zu fassen und dort eigene Themenparks, Kinos und Studios zu errichten.

Über den Erfolg der momentanen Kooperation lässt sich trefflich streiten. Denn bisher ist nur der Kinofilm "Shorts" entstanden. Der familien-freundliche Abenteuerfilm, wie ihn Time Warner anpreist, soll 2009 in die Kinos kommen. Ursprünglich war neben der Produktion von Kinofilmen auch die Ausweitung auf den Bereich Video- und Computerspiele geplant. Für diesen Zweig wird bei der neuerlichen Zusammenarbeit der Öl-Scheichs mit der Traumfabrik Hollywood die neu gegründete Firma "Imagenation Abu Dhabi" verantwortlich zeichnen. "Diese wird sich zudem um die Produktion von Shows und kurzen Filmen für das Internet kümmern", erläutert Borgerding.

Dabei ist Imagenation Abu Dhabi nicht nur eine einfache Ausgliederung aus einem bestehenden Unternehmen, sondern der Versuch der Regierung des Wüstenstaates ohne negatives Image mehr Einfluss auf die US-amerikanische Filmwirtschaft zu bekommen. Denn vor allem konservative US-Politiker würden es nicht gerne sehen, wenn sich Staaten aus dem Nahen Osten an einheimischen Firmen beteiligen. Mit Imagenation Abu Dhabi können Warner und andere amerikanische Filmstudios nun einen unverbrauchten und politisch korrekten Namen auf ihr Promotion-Material drucken.

"Auch wenn man es in den USA nicht gerne sieht, dass ausländische Unternehmen auf den Markt drängen, so ist es für die Kinowirtschaft doch überlebensnotwendig", so der Experte weiter. Denn nachdem sich zahlreiche Hedge Fonds aus dem Filmbereich zurückgezogen haben, standen einige Studios und Produktionsfirmen mit dem Rücken an der Wand, darunter auch MGM und die Weinstein Company. Da kommt das frische Ölgeld gerade richtig. "Abu Dhabi hat sich als wichtiger Spieler auf dem Parkett der Weltwirtschaft etabliert, so zum Beispiel auf dem Gebiet der Immobilien, der Energie oder im Transportsektor. Medien sind da nur ein weiterer Bereich, auf dem wir ein Global-Player werden wollen", erläutert Mohamed Khalaf al-Mazrouei, Chairmann von Abu Dhabi Media Company, die Beweggründe für die Ausweitung der Zusammenarbeit. (pte)