Ein ewiglanger roter Teppich, eine riesige Medienschar, grelles Scheinwerferlicht: Für einen Abend hatte sich die Popmusik in der Schweiz am Freitag einen Platz im Hauptabendprogramm ergattert. Zum sechsten Mal gingen im Schiffbau in Zürich die Swiss Music Awards über die Bühne, zum zweiten Mal wurde der Anlass live auf SRF 2 übertragen. Während einer gut zweistündigen Liveshow wurden zwölf Auszeichnungen in Kategorien wie "Best Album National", "Best Live Act National" oder "Best Hit National" verliehen.
Der eigentlichen Verleihung ging wie immer ein grossen Stell-dich-ein in der Eingangshalle voraus. Herausgeputzte Sternchen und einige Stars – die britisch kühle Gefühlspopband Hurts machte dem Anlass seine Aufwartung, genauso wie die Altpunker Die Toten Hosen aus Düsseldorf oder Rapper Samy Deluxe aus Hamburg – lieferten sich dem Blitzlichtgewitter und Kurzinterviews der Medien aus.
Die eigentliche Show glich dann eher einer Abfertigung: Award nach Award nach Award wurde in die knappe Sendezeit gepresst. Wenige einleitende Sätze der Laudatoren, ein paar Dankesworte – und dann gleich weiter.
Kurze Verschnaufpausen, die kaum reichten, um Stimmung im Saal aufzubauen, boten die Darbietungen von den bereits erwähnten Acts wie Hurts, Baschi, den Toten Hosen, 77 Bombay Street und Stress und seinem im letzten Sommer zusammengetrommelten Ensemble. Letztere wurden denn auch ausgezeichnet: Stress, der einsame Anführer in der Gewinnerkategorie, nahm mit der Auszeichnung in der Kategorie "Best Album Urban" bereits seinen siebten Swiss Music Award entgegen. Später kam in der neuen Kategorie "Best Act Live National" dann noch der achte Betonstein dazu. Wie schon bei der ersten Dankesrede brachte er wieder eine ganze Meute mit auf die Bühne.
Vielleicht der witzigste Moment ereignete sich gleich am Anfang: Stress' Gefolgschaft, namentlich Pegasus-Sänger Noah Veraguth und Bastian Baker dankten dessen ehemaligen Lebenspartnerin Melanie Winiger, welche die Show gemeinsam mit SRF-Mann Mario Toriani im schwarzen Tütü moderierte, für die Benützung ihres Hauses. Dort war im letzten Sommer das gemeinsame Album "Noël’s Room" entstanden. "Das finde ich ja schon noch lustig: Kaum bin ich ausgezogen, gibt’s eine Platte", erwiderte Winiger in Richtung Stress und ergänzte in ironischem Ton: "Ich habe dich anscheinend nicht sehr inspiriert."
Einen wichtigen Programmpunkt nahm auch die posthume Würdigung von Claude Nobs, dem Ende 2012 verstorbenen Gründer des Montreux Jazz Festivals ein. Nach einleitenden Tönen von Mark Sway und Philipp Fankhauser, sprach Harfenist Andreas Vollenweider zu Ehren seines Freundes.
Auch im Publikum befand sich der Stuttgarter Cro. Jener stets hinter einer Pandamaske verborgene Rapper, der mit seinem Stück "Easy" im letzten Jahr für einen immensen Überraschungserfolg gesorgt hatte. Sein Besuch wurde verdankt: Seine Auszeichnung in der Kategorie «Best Album Urban International» nahm er mit den Worten: "Schweiz, Ihr seid sehr verrückt!" entgegen. Tatsächlich war allerdings wenig verrückt an diesem Abend. Ausser der Band Hecht, die sich den Preis in der Kategorie "Best Talent National" sichern konnte, gab es kaum Überraschungen. Und wenn, dann eher böse: So sackte Teenie-Star Luca Hänni statt "Süpervitamin"-Bombe Müslüm die "Best Breaking Act National"-Trophäe ein.
Zuletzt gewann die Bieler Band Pegasus dann noch den Klotz in der Kategorie "Best Hit National" für den Song "Skyline". Ausschlaggebend war hier, neben den Verkaufszahlen, das Publikumsvoting. Ein hektischer Spurt durch aktuelles Popmusikschaffen ohne grosse Überraschungen fand damit sein Ende. Den Schluss markierten Dance-Produzent Remady mit Sänger Manu-L mit einer Playback-Darbietung, mit "The Original" Gewinner in der Kategorie "Best Album Dance". (TA/ads)
Bilder: Keystone