29.03.2009

Michael Steiner

"Sennentuntschi"-Probleme grösser als erwartet

Zudem: Filmförderung in der Kritik.

Der erfolgverwöhnte Regisseur Michael Steiner hat gröbere Finanzprobleme. Es geht um "Sennentuntschi", Steiners aktuelles Spielfilmprojekt. Ein geheimer Prüfbericht im Auftrag des Bundesamts für Kultur (BAK) stellt dem Psychothriller ein gruseliges Zeugnis aus, wie die "SonntagsZeitung" schreibt. Ohne "baldigen Zufluss" von mindestens 2,8 Millionen Franken sei eine Fertigstellung "kaum möglich", das Projekt "akut gefährdet". Woher die fehlenden Mittel kommen sollen, ist unklarer denn je. Über seine Zürcher Firma Kontraproduktion, die den Film produziert, sagt er: "Wahrscheinlich müssen wir bald Konkurs anmelden."

Politisch brisant wäre ein Grounding, weil für die 5,5-Millionen-Franken-Produktion öffentliche Gelder gesprochen wurden: eine Million vom BAK, 600 000 von der Zürcher Filmstiftung, 300 000 von der SRG, schreibt die "SonntagsZeitung". "Das ist eine Katastrophe für die ganze Schweizer Filmindustrie", sagt Rudolf Santschi vom Filmproduzentenverband SFP: Crewmitglieder warteten seit Monaten auf ihr Geld, mehrere Betriebe stünden "vor dem Ruin".

Bereits mit "Mein Name ist Eugen" hatte Steiner das Budget überzogen – das Bundesamt für Kultur hätte deshalb "genauer hinschauen müssen", sagt Santschi. Zumal es Hinweise auf Probleme gegeben habe, seit "Sennentuntschi" im Februar 2008 von der Firma C-Films übernommen worden war. "Es rächt sich, dass das BAK keine Mitarbeiter hat, die aufgrund ihrer Berufserfahrung in der Lage sind, derart komplexe Budgets zu prüfen", sagt Santschi. Nicolas Bideau weist dies zurück: Sein Amt sei durchaus in der Lage, Budgets zu prüfen, man habe keinen Grund gehabt, "an der Vertrauenswürdigkeit der Firma Kontraproduktion zu zweifeln".

Doch Recherchen von der "SonntagsZeitung" zeigen ein anderes Bild: Als das BAK den Geldhahn öffnete, wurde die Firma bereits betrieben – von der eidgenössischen Steuerverwaltung. Der Name von Bruno Seemann, Verwaltungsratspräsident und Ex-Geschäftsführer von Steiners Kontraproduktion, tauchte mehr als einmal in Unternehmen auf, die später Konkurs gingen. Im Dezember kam der Bruch zwischen Seemann und den übri- gen Verwaltungsräten, darunter Steiner. Seemann gab die Geschäftsführung ab. "Ich zweifle an seiner korrekten Geschäftsführung", so Steiner, "es ist daher mit rechtlichen Schritten zu rechnen." Seemann entgegnet, man habe sich "bei Übergabe der Geschäftsleitung über sämtliche Modalitäten" geeinigt. Als Präsident der Firma habe er "nicht unrechtmässig gehandelt". (Quelle: "SonntagsZeitung")


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