Francesco Benini äussert in den CH-Media-Zeitungen immer wieder scharfe Kritik an Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Am Mittwochabend traf er in einer öffentlichen Diskussion im Stapferhaus in Lenzburg auf SRF-Direktorin Nathalie Wappler. Moderiert wurde das Gespräch von Hannes Britschgi. Etwa 60 Zuschauende verfolgten den Schlagabtausch.
«Es war ein Duell, das diesen Namen verdiente: SRF-Direktorin Nathalie Wappler und CH-Media-Autor Francesco Benini waren sich beim Gespräch über die SRF-Neuausrichtung, Gebühren und Service public kaum je einig», bilanzierte die Aargauer Zeitung. Pikant: Es war gemäss Britschgi das erste Gespräch zwischen den beiden. Wappler legte Wert darauf, dass Benini auch ihre Vorgänger kritisiert habe. Er habe «eine starke Bindung zu unserem Haus», so die TV-Direktorin. «Ich stelle fest, dass ich weniger über SRF schreibe», konterte SRG-Kritiker Benini. Die Probleme seien aber die Gleichen geblieben. Es ändere sich nichts. Namentlich nannte er ein fehlendes Wirtschaftsmagazin, prominente Abgänge und schlechte Stimmung beim Personal.
Bei der Service-public-Frage beispielsweise ist es für Benini klar, dass es zwar Information und Kultur brauche, aber weniger Unterhaltung. Wappler sagte, dass Service public immer wieder von Neuem definiert werden müsse – er ändere sich mit der Gesellschaft. Und sie warnte: «Wenn die Grundversorgung der Medien wegfällt, wird sie niemals wieder aufgebaut. Dann ist sie einfach weg.»
Wappler geht davon aus, dass die SRG-Initiative «200 Franken sind genug» 2025 zur Abstimmung komme. Bis dann sei SRF mit neuen, digitalen Programmen am Start und könne hoffentlich auch die Jungen mit ihrem Programm überzeugen, so die TV-Direktorin. Als ihren grössten Erfolg bezeichnete Wappler das Auslösen des Transformationsprozesses und das Lancieren neuer Formate. So habe man rund 10 Prozent mehr Geld in die Information gesteckt, was beispielweise die aktuelle Investigationsrecherche über Katar beweise.
Personalumfrage in schwieriger Zeit
Francesco Benini meinte, dass einige seiner guten Quellen mittlerweile die SRG verlassen haben, und verwies darauf, dass lediglich 54 Prozent der Mitarbeitenden bei einer Personalumfrage SRF als attraktiven Arbeitgeber bezeichnet hätten. Nathalie Wappler entgegnete darauf, dass diese Umfrage inmitten der Transformation, jenem Moment, als es «wirklich weh» tut, durchgeführt wurde. Es seien Leute gegangen, die den gewünschten Posten nicht erhalten hätten. Auf die prominenten Abgänge angesprochen, meinte Wappler: «Abgänge schmerzen immer. Es gibt aber auch Leute, die zurückkommen.» Schlussendlich gebe es mehr Neueintritte als Abgänge. Dies hänge vor allem mit der Digitalisierung zusammen. Gerade in diesem Bereich seien die Experten sehr gesucht und wechselten auch schneller ihre Tätigkeit als früher. (pd/cbe/ma)