In St. Moritz hat am Donnerstag die geheimnisumwitterte Bilderberg-Konferenz begonnen. Das Tagungshotel ist abgesperrt, Sicherheitskräfte und Konferenz-Kritiker haben Stellung bezogen. Wie viele der rund 120 Teilnehmer bis am Mittag bereits angereist waren, blieb unklar. Auf dem nahegelegenen Flugplatz Samedan scheinen nicht mehr Privatjets gelandet zu sein als sonst. Und auch die erwartete Flotte von Luxuslimousinen blieb im Nobelkurort bisher aus. Nur vor dem Tagungshotel wurden einzelne Fahrzeuge mit dunklen Scheiben gesichtet. Für ihr inoffizielles Treffen haben sich die Mächtigen dieser Welt das wohl förmlichste - manche sagen "aristokratischste" - Luxushotel in St. Moritz ausgesucht, das "Suvretta House". Es liegt etwas ausserhalb des Ferienortes in einem Park und ist von einem lockeren Nadelwald halbwegs vor neugierigen Blicken geschützt.
Seit Mittwoch ist das schlossartige Gebäude von hüfthohen Absperrgittern umgeben. Dahinter patrouillieren Wachmänner einer privaten Sicherheitsfirma. Polizisten sind nur vereinzelt zu sehen. Von einer hermetischen Abriegelung kann aber nicht die Rede sein. Der Absperrring ist eng um das Haus gezogen, Neugierige können bis auf wenige Meter an den Belle-Epoque-Bau heran. Neben einigen Pressefotografen harren dort rund 50 friedliche Aktivisten aus.
Kritiker mit Pressezentrum
Die Kritiker der Geheimkonferenz haben ebenfalls Hotels bezogen, wenn auch nicht in derselben Preisklasse. Drei Gruppierungen haben unweit der Luxusherberge im Vier-Sterne-Haus "San Gian" ein Pressezentrum eingerichtet und berichten auf der Webseite "wearechange.ch" laufend über die Ereignisse vor Ort. Im Drei-Sterne-Hotel "Randolins" sind am Freitag und Samstag Gegenveranstaltungen geplant. Mit von der Partie ist die Junge SVP; auftreten werden die SVP-Nationalräte Lukas Reimann und Primin Schwander. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums haben die JUSO für Samstag zu einer bewilligten Kundgebung auf dem St. Moritzer Dorfplatz aufgerufen. JUSO- Schweiz-Präsident David Roth und Lukas Horrer, Vorsitzender der JUSO Graubünden, sind als Redner angekündigt.
Die Bilderberg-Konferenz steht regelmässig in der Kritik. Für die einen ist sie eine Art "Weltregierung", andere halten das jährlich stattfindende Treffen für einen überholten und elitären Gesprächszirkel. Klar ist einzig, dass wechselnde, einflussreiche Persönlichkeiten aus Politik, Adel, Wirtschaft, Militär und Medien teilnehmen. Wie bei allen Bilderberg-Konferenzen wird die Liste der Teilnehmer erst nach der Veranstaltung bekanntgegeben. Bestätigt ist bisher nur die Teilnahme von Bundesrätin Doris Leuthard. Von Seiten des Kantons Graubünden sind Regierungspräsident Martin Schmid und Justizdirektorin Barbara Janom Steiner eingeladen worden.
Die Listen der bisherigen Teilnehmer sind gespickt mit prominenten Namen. Der frühere US-Aussenminister Henry Kissinger war mehrmals dabei, ebenso Bill Clinton, und auch die niederländische Königin Beatrix war mit von der Partie, ebenso der ehemalige italienische Ministerpräsident Romano Prodi sowie die früheren deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder. (sda)