06.09.2019

Stelldichein im Toggenburg

Teleblocher feiert die 600. Sendung

Rund 60 «Fans und Kritiker», die meisten aus dem Zürcher Journalistenkuchen, beehrten das Jubiläumsfest des Internet-TV-Formats Teleblocher im Gasthaus von Toni Brunner.
Stelldichein im Toggenburg: Teleblocher feiert die 600. Sendung
Kritiker und Fans treffen sich am Donnerstagabend im «Haus der Freiheit» in Ebnat-Kappel und diskutieren über die Relevanz von Teleblocher. (Bilder: persoenlich.com)

Wenn Toni Brunner spricht, ist das Smartphone Nebensache. Zur Feier der 600. Sendung des Internet-Formats Teleblocher reisen sie am Donnerstagabend direkt aus Agentur, Studio, Büro oder Redaktion ins Obertoggenburg, nach Wintersberg, wo man mit dem öffentlichen Verkehr nicht hinkommt, ausser jemand ist gut zu Fuss und wetterfest (wie zum Beispiel NZZ-Medienredaktor Rainer Stadler).

Hanspeter Lebrument (Verleger Somedia), Matthias Knill (Partner Konsulenten), Silvan Grütter (Chefredaktor «Coopzeitung»), Roger Schawinski (Radiopionier), Vinzenz Wyss (Professor ZHAW), Ronnie Grob (Chefredaktor «Schweizer Monat»), Hildegard Schwaninger (People-Journalistin), Peter Wälty (Digitalchef Blick-Gruppe), Robin Blanck (Chefredaktor «Schaffhauser Nachrichten»), Albi Matter (Musikveranstalter), Peter Hartmeier (Partner Lemongrass, Ex-Tagi-Chefredaktor) sowie Lucia Eppmann (Chefredaktorin «Tagblatt Stadt Zürich»): Sie alle hängen Brunner an den Lippen. Kein Wunder, denn wie er auf der Bühne alle rund 60 Gäste, die meisten aus dem Zürcher Journalistenkuchen, einzeln begrüsst («die halbe NZZ ist da», «der berühmteste Mercedes-Händler der Schweiz» oder «die ganz Intelligenten haben ein Zimmer zum Übernachten gebucht»), ist nicht nur Redner-Talent, sondern fast schon Satire. Brunner scheint sogar noch an bodenständigem Charme und Schalk zugelegt zu haben, seit er vor rund einem Jahr dem Nationalrat nach 23 Jahren unvermittelt den Rücken gekehrt hatte und seither als Wirt amtet.

Als Gäste kann er bei der Jubiläumsveranstaltung weitere «Fans und Kritiker» (so die Formulierung im Einladungsschreiben) begrüssen: Marcel Kohler (Geschäftsleitung Tamedia), David Schärer (Partner Rod Kommunikation), Francesco Benini (Stellvertretender Chefredaktor «NZZ am Sonntag»), Eric Gujer (Chefredaktor NZZ), Benedict Neff (Deutschlandkorrespondent NZZ), Christine Schnyder (Ex-TeleZüri), Reto Kohler (Tessinkorrespondent SRF), Peter Röthlisberger (Ex-Chefredaktor «Blick am Abend»), Erik Ebneter (Redaktor «Weltwoche»), Samuel Tanner (NZZaS), Gerold Bührer (Ex-Economiesuisse-Chef), Manfred Klemann (VR «persönlich» und Internetpionier), Lucienne Vaudan (Ex-persoenlich.com und NZZaS), Hansruedi Knöpfli (Swissmarketing Academy, alt-Kantonsrat BDP)  oder Kenny Eichenberger («Kenny's»). Besonders viel Applaus bekommt Sarah Schmalz. Sie ist Redaktorin bei der «Wochenzeitung».

Vorlage für Gordon Brown

Dann geht es um Teleblocher. Dieses Jahr wurde die 600. Sendung der im August 2007 gestarteten Sendung aufgezeichnet. Am Donnerstagabend im «Haus der Freiheit» ist es, um ganz genau zu sein, die 627. Ausgabe. Christoph Blocher und Interviewer Matthias Ackeret (Verleger und Chefredaktor von «persönlich») erzählen aus den Anfangszeiten, als das damals noch exotische Webformat viele Fragen aufwarf und «einen richtiggehenden Tsunami auslöste», wie sich Ackeret erinnert. Der damalige Medienminister Moritz Leuenberger habe beim Bakom eine Untersuchung in Auftrag gegeben, um herauszufinden, ob Teleblocher überhaupt gesetzeskonform sei.

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Zudem habe die Sendung bald auch im Ausland grosse Beachtung gefunden: So hat sich der damalige englische Premierminister Gordon Brown auf Teleblocher berufen und ein ähnliches Format gestartet. Und eine weitere Anekdote aus den früheren Teleblocher-Jahren: Der ehemalige Bundesratssprecher Oswald Sigg habe nach der Abwahl Blochers jeweils die aktuelle Folge anschauen müssen, um den Bundesrat über den Inhalt der Sendung zu informieren, berichtet Ackeret. Er würdigte auch den «Erfinder» der Sendung, den verstorbenen Verleger der «Schaffhauser Nachrichten», Norbert Neininger. Sebastian Babic, Geschäftsführer des Schaffhauser Fernsehen, richtete eine Grussbotschaft an die Gäste.

Hörnli mit Apfelmus und Rotwein

Während sich thematisch in all den Jahren einiges änderte, ist formal alles gleichgeblieben: drei Beteiligte (Blocher, Ackeret und Kameramann Claudio Ferrari vom Schaffhauser Fernsehen), kein Schnitt, keine Wiederholung, kein Pressesprecher, Aufzeichnung jede Woche freitags um 7 Uhr. Diesem Prinzip folgt somit auch die 627. Ausgabe, die ausnahmsweise für einmal vor Publikum aufgezeichnet wird. Blocher verkündet darin, dass er in vier Jahren möglicherweise als Nationalrat kandidieren werde.

Den Abschluss macht der Männerchor Wintersberg Bendel (auch im Teleblocher-Video zu sehen). Weil sich der Sommer mittlerweile verabschiedet hat, ist nur einer der Sänger barfuss. Die Männer in Toggenburger Tracht preisen im urchigen Lied die Jugend, die Berge und den Herrgott. Dann gibt es Ghackets, Hörnli mit Apfelmus und Rotwein. Jetzt schätzen sich diejenigen besonders glücklich, die nicht wieder per Auto zurück nach Hause fahren müssen, sondern im «Haus der Freiheit» ein Zimmer gebucht haben – wie Natasja Sommer (Kommunikationschefin JTI), René Hildbrand (TV-Kritiker persoenlich.com) oder Pascal Scherrer (Geschäftsführer TeleZüri). (eh)

 



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Kommentare

  • Vinzenz Wyss, 06.09.2019 21:39 Uhr
    Das „Haus zur Freiheit“ war die Reise wert! Es war ein gelungener und inspirierender Abend. Toll, welche illustre Gästeschar Matthias Ackeret da zusammengeführt hat. Ein authentischer Toni Brunner und ein - wow - beeindruckender Männerchor Wintersberg Bendel. Übrigens: Ghackets, Hörnli mit Apfelmus gab‘s auch in Vegi; serviert vom Toni himself.
  • albi matter, 07.09.2019 09:47 Uhr
    ein sehr gelungener abend. so macht politik live im TV spass! bravo den beteiligten & dem interviuwer!
  • Victor Brunner, 07.09.2019 16:08 Uhr
    Teleblocher: Der Mann aus Herrliberg schwafelt langatmig über die Schweiz, greift die Linke an, den Bundesrat und erteilt sich die besten Noten. M. Ackeret sitzt rechts neben ihm hört aufmerksam zu, fasst Mut und stellt eine harmlose Frage. Von Ackeret, den ich mag, erwarte ich eigentlich eine aktivere Rolle, auch kritisches Hinterfragen. Tut er nicht. Er hat die Rolle des Minstranten akzeptiert der den Wein reicht, mit den Glöckechen klingelt. Mit Journalismus hat das wenig zu tun. Das da die Geladennen isch an Hörnli und Gehacktem erfreuen mag ihnen gegönnt sein, aber Emanzipation von Blocher ist es nciht. Noch immer machen sie sich auf den Weg um Blocher zu lauschen und ihm applaudieren!
  • Hansruedi Knöpfli , 08.09.2019 12:17 Uhr
    Danke dafür. Einmal mehr war's die Reise wert. Und n paar alte Bekannte hoch oben getroffen. Märssi.

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