Tote bei Selbstmordanschlag in Kabul

Mohammed-Video - Muslimische Staaten sperren YouTube.

Als Reaktion auf den islamfeindlichen Mohammed-Video hat eine Selbstmordattentäterin in Kabul am Dienstag einen mit Ausländern besetzten Kleinbus in die Luft gesprengt. Dabei kamen zwölf Menschen ums Leben, mehrere wurden verletzt. Die Angreiferin habe sich am Morgen in einem Wagen neben einem Minibus in die Luft gesprengt, teilte die Polizei in der afghanischen Hauptstadt mit. In dem Kleinbus seien ausländische Mitarbeiter einer Firma auf dem Weg zum Flughafen gewesen. Über die Nationalität der Getöteten lagen unterschiedliche Angaben vor.

Der Vize-Polizeichef von Kabul sagte, bei den Toten handle es sich um Südafrikaner und Russen - darunter eine Frau - sowie um deren afghanischen Fahrer. Der Sprecher der russischen Botschaft sagte dagegen, Russen seien bei dem Anschlag nicht betroffen gewesen. Seinen Angaben zufolge handelt es sich bei den Toten um Personen aus Südafrika, Kirgistan und Afghanistan. Zu dem Anschlag bekannte sich die radikalislamische Hesb-i-Islami (HIG) des früheren Premierministers Gulbuddin Hekmatjar. Die Attentäterin sei eine 20 Jahre alte Frau aus Kabul gewesen. Die Gruppe war bislang nicht mit derartigen Anschlägen in Erscheinung getreten. Sie bezeichnete die Attacke als Vergeltungsanschlag für das islamfeindliche Mohammed-Video.

Regierungen sperren Website

Das auf Youtube in Ausschnitten veröffentlichte Video hatte in den vergangenen Tagen in vielen muslimischen Ländern antiwestliche Massenproteste entfacht. In dem Video wird der Religionsbegründer Mohammed als Kinderschänder, Schürzenjäger und Homosexueller dargestellt. Um eine weitere Ausweitung der gewaltsamen Proteste wegen des Schmähvideos zu verhindern, haben mehrere muslimische Staaten, darunter Afghanistan, Pakistan und Bangladesch, die Website von Youtube gesperrt, auf der der Film veröffentlicht wurde. YouTube hat sich nach pakistanischen Angaben zuvor geweigert, Ausschnitte des Films zu entfernen.

Aufruf zur Tötung

In Ägypten erliess ein salafistischer Imam unterdessen eine Fatwa zur Tötung aller Beteiligten an dem in den USA produzierten Video. Wie das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE mitteilte, wurde die Fatwa auf mehreren dschihadistischen Foren im Internet veröffentlicht. In seinem religiösen Gutachten ruft Ahmed Fuad Aschusch die "jungen Muslime in den USA und in Europa" auf, die Macher und Schauspieler des Films sowie alle, die zu seiner Verbreitung beitrugen, wegen Verunglimpfung des Propheten Mohammed umzubringen. Der Film wurde offenbar im vergangenen Jahr von einem christlich-koptischen Ägypter aus Los Angeles zusammen mit einer rechten evangelikalen Gruppe in Kalifornien produziert. (sda)