Filmstudios entdecken zunehmend die Möglichkeiten des Internets für sich, um alte TV-Inhalte wieder neu zu beleben. So hat in den vergangenen Monaten bereits eine Reihe grosser Studios ihre Archive mit unter anderem mittlerweile schon in die Jahre gekommenen Serien geöffnet. Warner Brothers etwa gab diese Woche bekannt, seinen 2006 eingestellten Netzwerk-Dienst TheWB.com wieder auferstehen zu lassen.
Wie die "New York Times" berichtet, beabsichtigt der Konzern durch diesen Schritt eine eigene Internetdestination zu etablieren, die vor allem der Wiederbelebung von TV-Inhalten aus den so genannten "goldenen Jahren des Fernsehens" dienen soll. Durch das Onlinestellen alter Serienklassiker wie "Matlock" oder "The Twilight Zone" erhoffen sich die Studios und Content-Anbieter die Erschließung eines neuen Kanals zur zusätzlichen Umsatzgenerierung.
"Meine 20-jährige Tochter und ihre Freunde schauen sich viele Serien an, allerdings nicht am TV-Gerät", zitiert die "New York Times" den Präsidenten der Warner-TV-Gruppe, Bruce Rosenblum. Stattdessen seien heute Laptops und Mobiltelefone die bevorzugten Empfangsgeräte. Insofern sei die Etablierung eines eigenen entsprechenden Dienstes ein wichtiger Schritt im Rahmen der verstärkt digital orientierten Unternehmensstrategie von Warner Brothers.
"Wir haben diese ganzen alten TV-Inhalte im Archiv liegen und sind sehr davon überrascht, dass noch ein derart grosses Interesse daran besteht", erklärt auch Jeff Zucker, Geschäftsführer von NBC Universal. Aus wirtschaftlicher Sicht sei eine Öffnung der eigenen Archivbestände aufgrund der hohen Nachfrage deshalb zunehmend interessanter für Content-Anbieter geworden. Entsprechende Geschäftsmodelle würden bereits Anwendung finden.
Ein Beleg für das verstärkte Engagement der Filmbranche am Online-Sektor ist auch die als Joint Venture von NBC Universal und Rupert Murdochs News Corporation gegründete Video-Plattform Hulu. Ziel der Kooperation beider Mediengiganten ist dabei der Aufbau eines konkurrenzfähigen Dienstes zu Online-Imperien wie Apples iTunes Store und Googles YouTube. An die 3'000 Episoden archivierter TV-Sendungen hat die Seite nach eigenen Angaben mittlerweile in Form von Videostreams im Programm. Darunter auch eine Vielzahl an Klassikern wie etwa "Alfred Hitchcock Presents" aus dem Jahre 1955.
Als positiven Nebeneffekt eröffnen derartige Online-Dienste auch neue Einkunftsmöglichkeiten für die Autoren von mittlerweile bereits betagten TV-Sendungen. Lizenzgebühren für Streaming-Angebote im Internet waren deshalb auch einer der zentralen Verhandlungspunkte im Hollywood-Autorenstreik, der die Branche den vergangenen Winter über in Aufregung versetzt hat. Um den Streik beizulegen, mussten sich die Filmstudios der Forderung der Autorenschaft beugen und sich zur Abgabe von zwei Prozent der durch Streams erwirtschafteten Einnahmen verpflichten. Dies gilt für alle werbefinanzierten TV-Sendungen, die vor dem Jahr 1977 produziert worden sind. (pte)

