Überraschender Boom in Kleinstädten

Kino - Mittelmässiges Jahr für Schweizer Film.

Das Kinojahr 2011 liefert sowohl hinsichtlich der landesweiten Besucherzahlen wie beim Marktanteil für den Schweizer Film durchschnittliche Werte. Was auffällt: In Kleinstädten florierte das Kino; die Besucherzahlen stiegen hier um rund zehn Prozent. Ivo Kummer, Leiter der Sektion Film beim Bundesamt für Kultur (BAK), erklärt sich das eher überraschende Resultat mit der zügigen, vom Bund geförderten Digitalisierung der kleineren Kinos. Bereits 52,5 Prozent aller Lichtspielhäuser sind umgerüstet.

Dank der Digitalisierung können Kinos in Kleinstädten und auf dem Land ein publikumsträchtigeres Programm anbieten, wobei ihr Plus nicht zulasten der Kinos in den Grossstädten geht: Hier bewegten sich die Besucherzahlen im Rahmen des Vorjahres. "Das stimmt hoffnungsvoll", sagt Kummer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda, "möglicherweise fällt das Kinosterben weniger dramatisch aus als befürchtet". Das Projekt des Bundes für die Digitalisierung kleinerer Kinos läuft noch zwei Jahre.

Über den diesjährigen Marktanteil des Schweizer Films kann sich der BAK-Filmchef, der sein Amt im August antrat, nicht in demselben Masse freuen. Rund vier Prozent aller Kinokarten wurden 2011 für einen Schweizer Film gelöst - ein mittelmässiges Ergebnis, wobei der Kassenschlager "Der Verdingbub" die Bilanz aufbessert.

Gereizter Umgangston

Mit Kummer, dem langjährigen Direktor der Solothurner Filmtage, übernahm ein Externer die Sektion Film. Eines seiner ersten Ziele war es, die gestörte Kommunikation zwischen Filmbranche und Verwaltung zu verbessern. Dies glückte erst ansatzweise, wie er einräumt: "Es herrscht noch immer ein gereizter Umgangston."

Zumindest setze langsam ein Kulturwandel ein, sagt Kummer. Die neue Filmförderung, die in der Branche während Jahren für Streit sorgte, läuft 2012 an und muss sich anschliessend in der Praxis bewähren. Ein technischer Ausschuss soll als eine Art "Schlichtungsstelle" bei Streitfällen dienen und mithelfen, Vertrauen zu schaffen. Beschäftigen wird Kummer und seine Leute 2012 nicht nur die Förderung neuer Filme, sondern ganz zentral auch die Bewahrung der alten. Rund um das Archivieren und Bereitstellen des audiovisuellen Erbes der Schweiz harren zahlreiche Fragen einer Lösung.

Offen ist bespielsweise, welchen rechtlichen Status das Filmarchiv Cinémathèque suisse in Lausanne künftig haben soll. Und zu einem wachsenden Problem wird der Umstand, dass die gängigen Video-on-Demand-Plattformen, die für die Auswertung von Filmen immer wichtiger werden, nur wenige Schweizer Streifen anbieten.

Bund übernimmt Quartz-Preis komplett

Fest steht bereits, dass der Bund ab 2013 die volle Verantwortung für den Schweizer Filmpreis Quartz übernimmt. Im März 2012, wenn der wichtigste Preis der hiesigen Filmbranche zum letzten Mal bei einem von der SRG SSR organisierten Grossanlass in Luzern verliehen wird, soll über die künftige Preisgala informiert werden. Gemäss Kummer ist offen, wo die glamouröse Feier künftig stattfindet. 20 Städte seien mögliche Austragungsorte. Die SRG SSR bleibt mit reduziertem Engagement mit an Bord.

Prüfen will der BAK-Filmchef schliesslich, wie gross das Interesse an Cross- Media-Projekten - etwa Webdokumentationen - bei den Filmemachern hierzulande ist. An den Solothurner Filmtagen im Januar findet eine Einstiegsveranstaltung zum Thema statt. Kummer wird nach eigenen Aussagen "etwas unruhig" beim Gedanken an das während Jahrzehnten von ihm geprägte Festival. Er habe sich immer vorgestellt, die erste Ausgabe nach seinem Rücktritt auszulassen. Doch als BAK-Filmchef darf Kummer bei der grossen Werkschau des Schweizer Films natürlich nicht fehlen. (sda)