Am 27. Mai 2013 hat der Suhrkamp Verlag vorläufige Insolvenz angemeldet. Drei Monate später wurde das Verfahren offiziell eröffnet. Und jetzt? Der Verlag, der einst Grössen wie Theodor W. Adorno, Christa Wolf und Peter Handke eine geistige Heimat bot, steckt nach wie vor in der Insolvenz.
Die beiden Suhrkamp-Gesellschafter sind seit Jahren zerstritten. Ein Sanierungsplan sollte für Befriedung sorgen. Doch seit einem Jahr steckt der Verlag in dem Verfahren fest. Ein Ende ist nicht in Sicht.
Miteigentümer Hans Barlach versucht mit allen Mitteln, den von Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz vorgelegten Sanierungsplan zu verhindern. Mit seiner Beschwerde hat er es inzwischen durch alle Instanzen zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe geschafft. Mit einem Entscheid wird frühestens im Sommer gerechnet.
Solange bleibt alles blockiert. Der Hamburger Medienunternehmer wirft der Verlagschefin vor, die Zahlungsunfähigkeit mutwillig herbeigeführt zu haben, um ihn loszuwerden.
"Das ist eine Insolvenz, die es so nicht hätte geben müssen", sagte der Verwaltungsratspräsident von Barlachs Schweizer Medienholding, Rechtsanwalt Carl Ulrich Mayer, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Über diese Gesellschaft ist Barlach zu 39 Prozent an Suhrkamp beteiligt, Unseld-Berkéwicz hält 61 Prozent.
Weiter "business as usual"
Weil die Insolvenz in sogenannter Eigenverwaltung läuft, ist die Verlagschefin weiter für das Unternehmen verantwortlich, die dreiköpfige Geschäftsführung mit ihr an der Spitze wird jedoch von dem gerichtlich bestellten Sachwalter Rolf Rattunde überwacht.
"Es läuft wie erwartet alles ordnungsgemäss. Es passiert, was passieren muss", sagte Rattunde: "Wir müssen jetzt auf die Entscheidung des Bundesgerichtshofs warten."
Für die praktische Arbeit im Verlag hat die Hängepartie nach Angaben des von der Geschäftsführung eingesetzten Generalbevollmächtigten Frank Kebekus kaum Auswirkungen.
"Die Gespräche mit den Autoren, das Aufstellen des Programms - das ist alles business as usual", erklärte der Düsseldorfer Anwalt: "Trotzdem ist es ärgerlich, so viel Zeit zu verlieren. Denn alle Experten sind klar der Meinung, dass der Verlag am Schluss gewinnt."
Wella-Erbin will einsteigen
Eng könnte es allerdings werden, wenn erneut die Autorenhonorare fällig sind. In einer ersten Runde im vergangenen Jahr hatte die Wella-Erbin Sylvia Ströher mit ihrem Mann Ulrich über eine Zweckgesellschaft einen Teil der Honorare gezahlt - das Darmstädter Unternehmerpaar ist an einem Einstieg bei Suhrkamp interessiert.
"Bei Bedarf müsste der Verlag überlegen, ob man noch einmal nach einem solchen Modell verfährt", sagte Kebekus. Auch eine Beteiligung der Ströhers ist erst nach Aufhebung der Insolvenz möglich.
Der Sanierungsplan von Unseld-Berkéwicz sieht die Umwandlung des Verlags von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft vor. Bei einer Kapitalerhöhung könnten die Wella-Erben dann Anteile übernehmen. Vor allem würde Miteigentümer Barlach Mitspracherechte verlieren. Und das ist das eigentliche Ziel des Plans. (sda/Nada Weigelt, dpa)