Chinami Yamanaka-Nebesney und ihr 16-jähriger Sohn Yoshi stehen in einem Geschenkeladen in Tokio vor einem Regal mit absurd erscheinenden Stofftieren: «All diese Charaktere haben für sie typische Sätze», sagt Yoshi zu seiner Mutter - die keine Ahnung hat, wovon ihr Sohn überhaupt spricht. Die Figuren gibt es auch als Plüschtiere.
Unter dem Begriff «Italian Brainrot» tauchen die KI-Figuren seit Monaten immer mehr in Online-Diensten wie der Videoplattform Tiktok auf. Kinder und Jugendliche sind im Fieber, die Eltern stehen meist verständnislos daneben.
Das Wort «Brainrot» (verrottendes Gehirn) bezeichnet den Geisteszustand, der durch stundenlanges Scrollen durch Online-Beiträge ausgelöst wird - etwa KI-Videos von tanzenden Kaffeetassen. «Italian» sind die Figuren, weil sie ein oft unverständliches Kauderwelsch sprechen, das an Italienisch erinnert.
Begonnen hat der Trend im Januar auf Tiktok. Bekannt sind die Figuren mittlerweile weltweit. «Ich bin mit meinen Söhnen nach Mexiko gereist», sagte Chinami Yamanaka-Nebesney, und auch dort hätten die Menschen Witze über die absurden Figuren gemacht.
Neue Kreationen - auch als Merchandise
Die berühmtesten und beliebtesten Figuren wie die Kaffeekopf-Ballerina «Ballerina Cappuccina», der Gorilla in der Banane «Gorillini Bananini» oder die Kaktus-Elefanten-Kreuzung «Lirili Larila» sind zu Memes geworden, die Nutzerinnen und Nutzer im Netz zu immer wieder neuen Kreationen inspirieren. So wurde der «Brainrot»-Rap bereits 120 Millionen Mal auf Youtube angesehen. Ein Tutorial, bei dem User lernen können, wie die Figuren gezeichnet werden, wurde bereits 320 Millionen Mal angeklickt.
Mittlerweile finden sich die absurden KI-Tiere in Online-Werbevideos wieder. Unternehmen versuchen mit zahlreichen Merchandise-Artikeln, Profit aus dem Trend zu schlagen.
Als wichtiger Markt für Internet-Memes mit «Italian Brainrot» gilt zum Beispiel Indonesien. Das südostasiatische Land hat eine relativ junge und online sehr aktive Bevölkerung. Aus Indonesien stammt auch die «Brainrot»-Figur «Tung Tung Tung Sahur». Dessen Form erinnert an einen Kentongan, einen Holzgong, der Musliminnen und Muslime während des Fastenmonats Ramadan für die letzte Mahlzeit vor der Morgendämmerung weckt, die «Sahur» heisst.
Diese kulturellen Bedeutungen gehen bei der weltweiten Verbreitung der KI-Figuren schon einmal verloren. Ein Zwölfjähriger in Tokio sagte, er habe den Holzstab, den «Tung Tung Tung Sahur» in der Hand, nicht für einen Gongstab gehalten - sondern für einen Baseballschläger. (Katie Forster, afp/sda/spo)