09.02.2012

Museum für Gestaltung

Zeigt 100 Jahre Schweizer Grafik

Vom Plakat über Party-Flyer bis zum Werbefilm.

Der von 1912 bis 2012 entstandenen Schweizer Grafik widmet das Museum für Gestaltung in Zürich eine glanzvolle Ausstellung. Viel pionierhafter Geist kommt darin auf sehr unterschiedlichen Gebieten klar zum Ausdruck. Die Schau dauert bis 3. Juni. Auf das im nächsten Jahr erscheinende Referenzwerk zur Schweizer Grafik kann man jetzt erst recht gespannt sein. Die von Karin Gimmi und Barbara Junod kuratierte Ausstellung weckt grosses Interesse für diese im Alltag präsente visuelle Kultur.

Vom Plakat bis zu Werbefilmen

Der Rundgang durch die opulente Schau, der im Gegenuhrzeigersinn erfolgt, ist in 13 thematische Sektoren unterteilt. Er wird von einer friesartigen Auswahl von 100 Plakaten begleitet, wobei für jedes Jahr ein aus der Sammlung des Museums für Gestaltung stammendes Plakat hängt. Mit einem Grossaufmarsch von fast 200 Gestalterinnen und Gestaltern, deren vielseitiges Schaffen mit einer verschwenderischen Fülle von visuell attraktiven Produkten dokumentiert wird, kam eine eigentliche Leistungsschau der Schweizer Grafik zu Stande. Die unzähligen Exponate, die vom Plakat über Verkehrssignete und Bücher bis zu erfrischend originellen Party-Flyers, Videoclips und zu Werbefilmen reichen, decken das gesamte grafische Spektrum ab.

Stilpluralismus

Die kulturelle Vielfalt der Schweiz widerspiegelt sich innnerhalb der Grafik am deutlichsten in den Plakaten. Aus den einleitenden, malerischen Werken von Edouard Vallet (All'Innovation Lausanne, 1912) und Emile Cardinaux (Gebrüder Loeb Söhne - Bern, 1913) wird der Einfluss aus Frankreich sichtbar. Mehr auf fortschrittsbewusste Typografie konzentrierte Plakate von Max Bill (Wohnausstellung Neubühl, 1931), kleinformatige Drucksachen sowie Buchumschläge und Zeitschriften zeugen von der Auseinandersetzung der Zürcher Konkreten mit dem Bauhaus in Deutschland.

Weltoffenheit spricht aus den nach 1945 entstandenen Arbeiten. An den von Herbert Matter vollzogenen Brückenschlag in die USA knüpfen jüngere Grafikergenerationen mit zunehmend farbiger Foto-Grafik an. Gemeinsam ist den stilistisch so verschiedenen Grafikerinnen und Grafikern die Verbindung von Qualitätsbewusstsein, sorgfältigem Handwerk, klarer Formgestaltung der jeweiligen Aufgabe und Konzentration auf das Wesentliche.

Swiss Style

Dass die moderne Schweizer Grafik häufig mit dem Begriff Swiss Style gleichgesetzt wird, geht aus der sehr informativen Ausstellung nicht nur im entsprechenden Sektor hervor. Daran erinnert wird auch in Themengruppen wie "Helvetica", "Werbung", "Musik", "Swissair" oder "ABM". Dem international hohen Ansehen der Schweizer Grafik verdankt die Gestaltergemeinschaft Jean Widmer und Ernst + Ursula Hiestand den Auftrag, der visuellen Identität des Centre Georges Pompidou in Paris Form zu geben. Für die Schriftgestaltung wurden Adrian Frutiger und Hans-Jürg Hunziker beigezogen.

Hervorragendes leisteten Schweizer Grafiker schon mit Logos, Signeten und Warenzeichen. Das SBB-Signet von Josef Müller-Brockmann etwa, die Werbefiguren Globi und Knorrli oder diverse Leuchtschriften trugen massgeblich zur Verbreitung hochkarätiger Grafik bei. (sda)


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