Von Hazy Osterwald bis Celtic Frost: das Berner Museum für Kommunikation lädt in seiner neuen Ausstellung zu einer Zeitreise durch ein gutes halbes Jahrhundert Popmusik in der Schweiz.
Wer die Ausstellung betritt, bekommt ordentlich was auf die Ohren: zuallererst einmal einen Kopfhörer. Damit kann man an die zahlreichen Musikstationen andocken und Hits und Trouvaillen aus 60 Jahren Musikgeschichte hören.
Für Museumsdirektorin Jacqueline Strauss sind Popmusikstücke wie konservierte Zeitkapseln. "Wenn man sie aufmacht, kommt einem alles wieder in den Sinn: was damals Mode war, was sich alles ereignete, mit wem man sich traf und vieles mehr."
Obschon in der Ausstellung unzählige Pop-Schmankerl zu hören sind, fokussiert sie weniger auf die Stars der Szene als vielmehr auf unterschiedliche Strömungen. Untrennbar mit der Musik sind auch gesellschaftliche Entwicklungen verbunden.
Breit gefasster Pop-Begriff
Den Begriff Popmusik interpretieren die Ausstellungsmacher breit. "Von Peter, Sue und Marc bis Celtic Frost hat alles Platz", wie Co-Kurator Sam Mumenthaler es am Mittwoch vor den Medien formulierte.
Popmusik ist heute nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. In ihren Anfängen fasste sie in der Schweiz allerdings nur allmählich Fuss, erst nach den Kriegsjahren begann man sich hierzulande zunehmend zu öffnen, auch fremden Musikeinflüssen gegenüber.
Tanzorchester dominierten den Massengeschmack der 1950-er Jahre. Namen wie Hazy Osterwald oder Peterli Hinnen waren damals angesagt. Weil sich die meisten Schweizer damals Reisen ins Ausland nicht leisten konnten, brachte die Musik das Gefühl ferner Welten in die Schweiz. Hawaii-Bands kamen in Mode und mit ihnen Elemente aus dem Rock'n'Roll.
Mit den Honolulu-Girls kam die Schweiz notabene zu ihrer ersten reinen Frauenband, wie Mumenthaler ausführte. Zu grosser Bekanntheit brachten es die Girls allerdings nie.
Laute Musik und lange Haare
In den 1960-er Jahren waren es die Beat-Bands, die vorab die Jugendlichen begeisterten und die Schweizer Hitparade stürmten. Angesagt waren Bands wie die Sauterelles. Gutbürgerliche Eltern echauffierten sich über die Jugend, die lange Haare trug und laute Musik hörte.
Mit "Grüezi wohl Frau Stirnimaa" landeten die Minstrels einen massentauglichen Hit. Und jedes Kind sang damals Polo Hofers "Kiosk" und Pepe Lienhards "Swiss Lady". Einen einmaligen Hit landete die Gruppe Taxi mit "Campari Soda".
Ära der Radios
Es folgte die Ära der Radios, die sich der Popmusik verschrieben. Privatradios schossen wie Pilze aus dem Boden. An vorderster Front operierte damals Radiopionier Roger Schawinski mit Radio 24. 1983 ging DRS 3 auf Sendung, der "amtlich bewilligte Störsender", wie ein beliebter Slogan des Senders hiess.
Punk und die Neue Deutsche Welle fanden ihren Niederschlag auch in der Schweiz. Die Band Grauzone intonierte "ich möchte ein Eisbär sein am kalten Polar" und der Sänger Claude befasste sich komplett sinnfrei mit "Nüt, nüt, nüt, eifach nüt". Erfolgreich war auch die Basler Electropop-Gruppe Touch El Arab mit ihrem textlich eher rätselhaften Song "Muhammar".
In den 1990-er Jahren prägten Bands wie Züri West ("I schänke Dir mis Härz"), Florian Ast und Florenstein ("Daneli") oder Gölä ("Büetzer") die Szene. Dem zeitgenössischen Popmusikschaffen ist im Museum für Kommunikation ein eigener Raum gewidmet.
Originalobjekte von Hazy Osterwald oder Toni Vescoli
Ein verbindendes Element der Berner Ausstellung ist Radiopionier François Mürner. Über Kopfhörer können seine Einführungen in die verschiedenen Epochen der Popmusik abgehört werden.
Die Ausstellung wartet mit Originalobjekten auf, etwa Hazy Osterwalds Trompete Susi oder Toni Vescolis Halbstarken-Jeansuniform. Gezeigt wird die Ausstellung "Yeah! - Popmusik in der Schweiz" bis im Juli 2015. (sda)