Das Zurich Film Festival (ZFF), das in früheren Jahren vor allem mit internationalen Promis - und 2009 mit der unrühmlichen Polanski-Affäre - für Schlagzeilen sorgte, setzt vermehrt auf Dokfilme und heimisches Schaffen. "Zwingende Geschichten" würden in den Werken der 6. Ausgabe des ZFF erzählt, sagte Festivalgründer Karl Spoerri am Donnerstag vor den Medien in Zürich. Immer ginge es um die Fragen: "Was zählt wirklich? Was sind die wahren Werte? Wo ist unser Platz?"
In der renommiertesten Sparte, dem internationalen Wettbewerb, suchen vom 23. September bis am 3. Oktober zwölf Filme nach überzeugenden Antworten. Darunter ist mit "Bon Appetit" des Spaniers David Pinillos eine europäische Koproduktion, die teilweise in der Küche eines Zürcher Restaurants spielt. Gleich fünf Schweizer Beiträge feiern während des Festivals Weltpremiere, was eine Rekordpräsenz des hiesigen Filmschaffens bedeutet. Schon bekannt war, dass die langerwartete Alpensaga "Sennentuntschi" von Michael Steiner das Festival eröffnen wird.
Der Film, der Mitte Oktober in die Deutschschweizer Kinos kommt, läuft ausserhalb der Wettbewerbe. Der Episodenfilm "180 Grad" von Cihan Inan, die schwarze Komödie "Stationspiraten" von Mike Schaerer sowie das Ehedrama "Zu Zweit" von Barbara Kulcsar treten im deutschsprachigen Spielfilmwettbewerb an. Im Dokfilmwettbewerb wird "The Rising Sun" des Thurgauers Fabian Kimoto über die Breakdance-Truppe Rock Kidz Crew das erste Mal öffentlich gezeigt. Die Sparte bietet mit dem deutschen "Adopted" von Rouven Rech und Gudrun F. Widlok eine weitere Weltpremiere.
Erzählt wird darin von einer Organisation, die einsame erwachsene Deutsche an afrikanische Familien vermittelt. Der Dokfilm am ZFF boomt geradezu. Die Zahl der für diese Sparte eingereichten Beiträge habe sich in den vergangenen Jahren vervierfacht, erklärte die für die Programmation verantwortliche Christine von Fragstein. Auch ausserhalb des Wettbewerbs läuft ein Dokfilm, der für Aufsehen sorgen dürfte: Der 3D-Beitrag "Cane Toads: The Conquest" von Mark Lewis über nach Australien importierte Kröten. Für die Programmreihe Neue Welt Sicht zeigt das ZFF in Zusammenarbeit mit dem Filmfestival von Melbourne weitere acht australische Filme.
Insgesamt sind am 6. Zurich Film Festival rund 70 Kinofilme sowie zahlreiche Kurzfilme zu sehen. Das Budget der Veranstaltung stieg im Vergleich zum Vorjahr leicht von 3,8 auf 4,1 Millionen Franken. Bereits im Vorfeld sind die Stargäste bekanntgegeben worden: Regisseur Milos Forman erhält den Ehrenpreis "A Tribute to ...", der Schauspieler Danny DeVito nimmt für seinen an Krebs erkrankten Freund Michael Douglas den "Golden Icon"- Award entgegen.
Die Jury des internationalen Spielfilm-Wettbewerbs präsidiert der US- Schauspieler Frank Langella ("Frost/Nixon"). Mit Moritz Leuenberger, der am Eröffnungsabend erwartet wird, macht zudem erstmals ein Mitglied des Bundesrates dem ZFF seine Aufwartung. (sda)