"DDB wird sich vermehrt auf Zürich konzentrieren"

- DDB Zürich hat mit Roland Weiss (rechts im Bild) seit dem 1. Dezember einen neuen Managing Director. Gemeinsam mit CD Patrick Lienert (links) leitet er die Agentur, welche zuvor von Kaspar Loeb geführt wurde. Welche Ziele hat das neue Team, wie wirken sich die Umstrukturierungen aus und wie sieht die Zusammenarbeit mit Bern und Basel aus? Das Interview:

Herr Weiss, wie ist Ihr Start verlaufen?

Weiss: So, wie ich das erwartet habe: Hektisch, aber gut.

Ihre Rückkehr zu DDB erfolgte -- zumindest von aussen betrachtet -- abrupt. Wann wurden Sie erstmals kontaktiert?

Weiss: Von aussen scheinen Wechsel immer abrupt, weil die Vorbereitungen idealerweise doch im Hintergrund stattfinden. Wobei man in meinem Fall nicht von längeren Gesprächen reden kann, das Timing war vielmehr durch Kaspar Loebs Weggang gegeben. Die erste Kontaktnahme in dieser Sache hat jedenfalls im Sommer stattgefunden.

Sie wollten DDB Zürich "mitprägen und mitbauen", sagten Sie uns vor Kurzem. Was haben Sie konkret vor?

Weiss: Eine gute Agentur zu sein -- sein, nicht werden! Denn ich wäre nicht zurückgekommen, wenn ich DDB nicht für eine gute Agentur halten würde. Insbesondere im Kreativen wurde während meiner Abwesenheit gute Arbeit geleistet. Diese Erfolge fortzuführen, das ist es, was mich reizt.

Und was werden Sie nun ändern?

Weiss: Wir wollen versuchen, aus Kunden gute Kunden zu machen, und aus Guten sehr Gute. Denn das ist eine Qualität dieser Agentur, dass sie Kunden halten und entwickeln kann. Darauf kann ich von der Beratungsseite her auch Einfluss nehmen.

Ihr Einstieg steht demnach im Zeichen der Kontinuität?

Ja. Es würde auch keinen Sinn machen, die Agentur in den ersten zwei Wochen umkrempeln zu wollen. Selbstverständlich habe ich meinen eigenen Stil, den wir gemeinsam mit Patrick Lienerts Stil zu unserem Agentur-Stil konsolidieren werden. Der Prozess findet in der Arbeit statt, und das Resultat wird im Verlauf der Zeit sichtbar werden.

Patrick Lienert, was erwarten Sie denn vom neuen Managing Director?

Lienert: Zum einen entsteht durch die neue Organisationsstruktur -- wir haben ja jetzt keinen CEO mehr -- eine Teamführung zwischen Roland Weiss und mir. Es ergibt sich zum anderen ein Bekenntnis zur Marketing-Kommunikation, die wieder eine unserer Kernkompetenzen darstellt. Denn ich kenne Roland Weiss als Werber mit Herzblut, der klar auf Werbung ausgerichtet ist und dort gute Arbeit machen will. Das ist auch wichtig, denn es muss meiner Meinung nach eine Balance herrschen zwischen Kreation und Beratung -- das entspricht unserer Vorstellung einer Qualitätsagentur.

Werden Sie künftig stärker eingebunden sein?

Lienert: In der täglichen Arbeit wird es keine Veränderung geben. Doch es ist natürlich so, dass wir jetzt ein Zweierteam sind, bei dem jeder für seinen Bereich zuständig ist und gleichzeitig für den anderem mitdenkt.

Was bedeutet der Verzicht auf die Funktion eines CEO für DDB Schweiz?

Lienert: DDB wird sich vermehrt auf ihr Flaggschiff -- die Hauptagentur in Zollikerberg -- konzentrieren, weil Zürich der Standort mit dem grössten Potential ist. Es findet eine Konzentration aufs Kerngeschäft statt, die Agenturen in Bern und Basel werden sekundär, die Gruppe als solche weniger wichtig. Deshalb braucht es auch keinen CEO mehr, der allen Agenturen vorsteht. Diese Restrukturierung geschieht auch unter Kostenaspekten, gewisse Veränderungen werden eben vom Markt diktiert. Den entsprechenden Entscheid hat Mehrheitseigentümer Herbert Seiler gefällt.

Andere Agenturen preisen ihre Niederlassungen in verschiedenen Regionen als strategischen Vorteil...

Weiss: Solche Ableger sind meiner Meinung nach häufig Alibi-Übungen. Die gute Betreuung nationaler Kunden hängt doch nicht davon ab, ob man ein "Büröli" in Genf hat. Bezogen auf DDB machen Agenturen in Bern und Basel dann Sinn, wenn dort ein relevanter lokaler Markt aufgebaut werden kann.

Was bedeuten die Umstrukturierungen im täglichen Geschäft für Basel und Bern?

Weiss: Das kann ich nicht sagen, dafür kenne ich die beiden Agenturen zu wenig. In der Tendenz ist es aber sicher so, dass die Führung der lokalen Agenturen eher gestärkt wird, es braucht keine übergeordneten Führer. Das macht auch Sinn, weil so die lokalen Märkte optimal ausgeschöpft werden können -- das Zentralistische ist nicht mehr adäquat, der Overhead muss abgebaut werden.

So werden sich die Schweizer DDB-Ableger nur noch bei den Board-Meetings in Amerika austauchen?

Weiss: Nein, ganz so krass wird es sicher nicht kommen (lacht).

DDB ist in der Schweiz keine Agentur, über die man viel spricht -- trotz ansprechender Kunden und Arbeiten. Woran liegt das wohl?

Lienert: Das liegt bestimmt an unserer Einstellung zum Personenkult: Die Arbeit steht bei uns im Vordergrund, nicht die Leute. Das wollen wir weiterhin so handhaben, wir sollen an unseren Leistungen gemessen werd en, und die werden in der Branche sehr wohl wahrgenommen. Nur das zählt.

Weiss: Genau. Es kommt doch immer darauf an, in welchem Zusammenhang über eine Agentur gesprochen wird. Wenn es nur um einzelne Protagonisten geht, können wir darauf verzichten -- meist sind es ja sowieso Negativmeldungen. Wir nehmen uns Zeit für die Kunden, da bleibt wenig Zeit, sich selber zu promoten. Die Marken unserer Kunden sowie jene der Agentur liegen uns deutlich näher.