Der CEO von Young & Rubicam EMEA zur Zukunft von Advico

- Young & Rubicam Inc., die zum weltweit tätigen Netzwerk der WPP gehörende Mutter von Advico Young & Rubicam und Wunderman, hat im vergangenen Juli eine verstärkte Zusammenarbeit ihrer Töchter in Europa angekündigt. William Eccleshare (Bild) ist seit September Vorsitzender und CEO der Y&R Wunderman Alliance EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika). Er weilte zu einem Antrittsbesuch bei Advico im Zürcherischen Gockhausen. "persoenlich.com" hat ihn dort über die Zukunft von Advico befragt. Das Interview:

Sie haben Ihre Position als Chairman und CEO bei Y&R seit zwei Monaten inne und besuchen Ihre hiesigen Agenturen jetzt zum ersten Mal. Wie ist Ihr Eindruck?

Es war ganz klar ein hartes Jahr, doch wir blicken in die Zukunft. Ich habe bei meiner Präsentation heute morgen mehr Engagement erlebt und mehr Fragen erhalten, als bei irgendeinem anderen vergleichbaren Treffen im Netzwerk. Ich habe energiegeladene, ambitionierte, intelligente Menschen getroffen, die gewinnen wollen. Zudem besitzt Advico Young & Rubicam ausserordentlich starke strategische und planerische Fähigkeiten.

Advico Young & Rubicam erlebte im Februar den Abgang seines Kaders und hat seither einige Budgets verloren. Wie steht das Netzwerk zu dieser Situation?

Natürlich wünscht man sich nie, dass so etwas geschieht. Nachdem uns das Management aber verlassen hatte, war ein temporärer Einbruch zu erwarten -- ich habe das schon in anderen Märkten erlebt. Jetzt muss man einen Strich unter die Vergangenheit ziehen und nach vorne schauen. Wir haben unter CEO Edgar C. Britschgi ein ausserordentlich starkes neues Management, und das Netzwerk wird die Agentur unterstützen.

Was wurde getan, um den Abgang des Kaders zu verhindern?

Ich war damals noch nicht dabei. Ich kann nur über die Situation sprechen, die ich geerbt habe. Und wie gesagt: Es bringt wirklich nichts, mit der Vergangenheit zu hadern. Was geschehen ist, ist geschehen. Das kommt vor.

Welches sind Ihre Pläne für AY&R?

Erstens möchte ich, dass sich hier alle auf die Chancen konzentrieren, welche die Zukunft bringen wird. Natürlich ist der Markt gegenwärtig sehr schwierig -- wir befinden uns in einer der tiefsten Rezessionen. Doch wir werden in diesem Markt um Anteile kämpfen, und die Agentur ist jetzt in einer sehr starken Position, um wieder zu gewinnen. Zweitens werde ich Advico Young & Rubicam und Wunderman zu einer engeren Zusammenarbeit ermutigen, und zwar in ganz Europa. Denn eine wachsende Zahl von Kunden sucht Unterstützung über alle Formen der Markenkommunikation hinweg. Mit Wunderman und AY&R zusammen können wir genau dies anbieten. Drittens wird sich das Netzwerk künftig stärker in die hiesigen Aktivitäten einbringen. Als Chef der Region Europa will ich ganz klar dafür sorgen, dass das Y&R-Netzwerk seinen Mitgliedern noch mehr bringt.

Was heisst das konkret?

Einerseits einen verbesserten Informationsfluss -- etwa über unser internationales Planungsinstrument -- sowie europaweite Ausbildungsprogramme. Andererseits hoffe ich, dass wir bei der Entwicklung des internationalen Geschäfts stärker zusammenarbeiten werden. Wenn ich mir unser Netzwerk in Europa ansehe, so besitzen wir viele lokal starke Agenturen. Unseren Anteil am internationalen Geschäft zu vergrössern, ist für mich ein sehr klares Ziel.

Ein stärkere Einmischung des Netzwerks könnte für Advico aber auch bedeuten, dass die kreative Arbeit weniger interessant wird...

Das stimmt so überhaupt nicht! Einige der besten Arbeiten dieses Netzwerks finden auf einer internationalen Ebene statt. Das kreative Talent, das wir hier haben, kann und wird sowohl zu internationalen, als auch zu nationalen Kampagnen beitragen.

Der Anteil an eher unbeliebter Adaptationsarbeit dürfte aber wachsen.

Ja, der Umfang wird wohl ansteigen. Dagegen sollte aber nichts einzuwenden sein, so lange es die Agentur stärkt und die Adaptationen nicht zu Lasten von lokalen Kampagnen gehen.

Könnten Sie sich in der Schweiz eine Erweiterung des Netzwerkes über AY&R und Wunderman hinaus vorstellen?

Das kann ich nicht sagen. Um ehrlich zu sein: Ich kenne den Markt noch nicht gut genug, um zu beurteilen, ob das für uns Sinn macht. Mein Fokus liegt im Moment klar auf der gegenwärtigen Situation.

Worin sehen Sie den Hauptunterschied zwischen dem Markt in der Schweiz und im restlichen Europa?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Vermutlich ist der Anteil an internationalen Kunden hier geringer als in irgendeinem anderen Markt. Auf der kreativen Ebene fällt mir die Bandbreite der Branchen auf, die eine einzelne Agentur abdeckt: Finanzdienstleistungen, Lebensmittel etc. Das ist aussergewöhnlich, denn sehr häufig sind Agenturen nur in einer Branche wirklich stark.

(Interview: Alain Egli).