Herr Wildberger, in dieser Woche finden die Creative Days des ADC statt. Worauf legen Sie in diesem Jahr den Schwerpunkt?
Das Motto folgt der bereits langjährig verinnerlichten Strategie des ADC: jeglicher Form der Kreativität Einlass zu gewähren, die aus den unterschiedlichsten Bereichen zu uns kommt. Dazu zählt übrigens auch künstliche Intelligenz (KI). Heute müssen noch viel mehr Expertinnen und Experten Hand in Hand gehen, um exzellente Werbung zu machen. Beim Stichwort Exzellenz ist zu betonen, dass es immer noch uns Kreativen obliegt, der Dirigent zu sein – zumindest bei der Ideenfindung. Wir wollen dazu inspirieren, gute Ideen durch die perfekte Orchestrierung zu finden. Deswegen haben wir beispielsweise Guido Heffels eingeladen, über den Orchestergraben der Subkultur zu sprechen. Oder User-Experience-Fachfrau Leyla Keramat, die erklärt, wie wir Creative Intelligence formen können. Kurz und bündig: Wir stellen die kreative Orchestrierung ins Zentrum.
Im Gegensatz zum Vorjahr findet die Veranstaltung in einer neuen Location und nur noch an einem Tag statt. Warum diese Änderungen?
Veränderung gehört zur DNA von Kreativen. Wir hätten das Programm problemlos auf zwei Tage verteilen können, wollten es aber so kompakt wie möglich halten und haben die mitreissenden Inhalte kondensiert. Deswegen haben wir auch die Verleihung der ADC Awards und das Fest vorgezogen, sodass alles direkt an vier aufeinanderfolgenden Tagen und an einem einzigen Ort stattfindet – vom Jury-Eröffnungsfrühstück bis zum allerletzten Absacker.
«Wir als Verein tun alles, damit kreative Werbung weiterhin entsteht»
Das Programm wird von den Geschwistern Baldenweg von Great Garbo kuratiert. Was heisst das für das Programm?
Der ADC hat sich dieses Jahr beim ESC engagiert, darum wollten wir das Musikthema mitnehmen und auch am Creative Day aufgreifen, zum Beispiel mit Dirigentin Lena-Lisa Wüstendörfer, die darüber redet, wie man viele Egos zu einer harmonischen Höchstleistung treibt. Da lag es nahe, dass wir so musikalische Wizards in unseren Reihen wie die Baldenwegs mit der Kuratierung beauftragten.
Sie sind daneben auch noch mit der Jurierung der ADC Awards, die am Freitag bekanntgegeben werden, beschäftigt. Wie viele Einsendungen haben Sie dieses Jahr?
289. Das ist weniger als im Vorjahr, was aber nicht daran liegt, dass die Agenturen sparen. Sie haben einfach derzeit nicht die Voraussetzungen dafür, potenziell auszeichnungswürdige Ergebnisse zu liefern. Darum reichen sie auch nicht mehr ein. Hoffen wir, dass wir 2025 auf die Einsendesumme bezogen als schlechten Jahrgang abhaken können. Wir als Verein tun alles, damit kreative Werbung weiterhin entsteht – zum Beispiel mit dem Organisieren der Creative Days, die explizit inspirieren wollen. Ein Expertenpanel widmet sich auch exakt diesem Thema: Da kommen Kunde, Top-Kreative und ein Leadership-Coach zusammen und diskutieren über die harte Währung Kreativität.
«Ich war total überrascht, wie gut die Stimmung ist»
Sie sind ja mittendrin im Vergabeprozess: Was sagt das Stimmungsbarometer?
Ich war total überrascht, wie gut die Stimmung ist. Wir kamen heute zum ersten Mal nach sechs Jahren wieder zusammen, um gemeinsam an einem Ort zu jurieren. Ich hatte den Eindruck, man ist sich wohlgesonnen, geht fair miteinander um und freut sich über gute Arbeiten. Der Druck von aussen scheint die Branche innen zusammenzuschweissen.
Wie schätzen Sie den Zustand der Schweizer Werbung ein?
Abgesehen davon, dass es dieses Jahr ein bisschen zu wenig überdurchschnittliche Arbeiten gibt, die eingereicht wurden, halte ich die grundsätzliche Qualität der Werbung nach wie vor für hervorragend und in Einzelfällen auf internationalem Niveau.
Nächstes Jahr wird der ADC 50 Jahre alt. Sind bereits jetzt bestimmte Aktivitäten geplant?
Bis heute ist man sich uneins, an welchem Januar- oder Februartag 1976 die Gründung in der Kronenhalle passierte. Falls es jemand noch genau weiss, bitte melden. Jetzt ernsthaft: Selbstverständlich planen wir angemessene Feierlichkeiten, die wir über das ganze Jahr hinweg und über Zürich hinaus verteilen wollen. Es ist wichtig, dass wir diesen Aufwand betreiben, weil wir dauerhaft präsent sein müssen mit unseren Fähigkeiten. Wir setzen uns dafür ein, dass der Club mit seiner Identität mit passenden Aktivitäten stattfindet und dafür wahrgenommen wird, wofür er steht. Und ich habe sogar gehört, dass der Persönlich-Verlag an einer ADC-Jubiläumsausgabe interessiert ist.
Der Creative Day «Orchestra of Wizards» findet am Donnerstag, 12. Juni 2025, statt.