Schlicht überraschend. Für die Findung der saisonalen Farbpalette arbeitet der Designer mit Moods: «Frauen sind facettenreich, so denke ich mich in ihre verschiedenen Stimmungen hinein.» Javier Reyes ist ein Mensch, der als stiller, soziologischer Beobachter durch Gassen, Galerien oder Grossstädte zieht – wie er es selbst umschreibt: «Designer sind zugleich Soziologen».
So kommt es nicht von ungefähr, dass seine aktuelle Kollektion inspiriert ist von Mexikos berühmtestem Architekten Luis Barragán, den sinnlichen 70er-Jahre-Frauenporträts von David Hamilton, dem Buch «Der Mann im roten Rock» von Julian Barnes – aber gleichermassen von der Influencerin Jenny Walton, die – wie Javier Reyes findet – «eine Audrey Hepburn unserer Zeit» ist, wie Studio Thom Pfister in einer Mitteilung schreibt.
Sich im gestreiften Kleid in den Ledersattel zu schwingen und nicht mit der tiefschwarz getuschten Wimper zu zucken, wenn es auf dem unebenen Altstadt-Pflasterstein zünftig rattert – das wäre wohl ganz im Geiste des Berner Gewandmachers, denn es ist jene subtil-sinnliche Nonchalance, die er vermitteln will. Oder, um es frei nach der Hollywood-Ikone Audrey Hepburn auszudrücken: Die schönsten (Sommermode-) Romane werden erlebt – und nicht geschrieben.
Verantwortlich bei Javier Reyes: Javier Reyes (Modedesigner, Gesamtverantwortung), Silja Baumann (Assistentin); Fotografin: Elena Kuznetsova (Studio Kuznetsova) Model: Emma Marie; Location: Siedlungsbau Boll Utzigen (Architektur Atelier 5); verantwortliche Agentur, Studio Thom Pfister: Thom Pfister (Creative Director, Idee/Konzept), Ursula Rytz (Beratung), Roland Zenger (Art Director), Daniel Hackiewicz (Graphic Design & Web Development), Juli Martinelli (Graphic Design). (pd/cbe)