Die Gans kommt aus dem Computer

Agentur im Grünen / Admeira - Auf SRF 1 ist erstmals ein TV-Spot zu sehen, dessen Inhalt hauptsächlich von künstlicher Intelligenz generiert wurde. Von Anfang an geplant war dies so nicht. Terminprobleme eines Tiertrainers führten zu dieser Lösung.

Mittlerweile ist künstliche Intelligenz (KI) nicht mehr wegzudenken aus der Werbewelt. Immer mehr Werbetreibende setzen in verschiedensten Bereichen auf die Technologie, um innovative und effektive Werbekampagnen zu kreieren.

Dass der neue TV-Werbespot der Eker Daunen Manufaktur AG mithilfe von KI produziert werden soll, war nicht von Anfang so geplant, wie es in einer gemeinsamen Mitteilung von Admeira und der Agentur im Grünen heisst. Das Ostschweizer Unternehmen Eker habe die Agentur im Grünen damit beauftragt, einen kreativen Spot zu drehen, der Gänse in Szene setzen sollte. Als der Tiertrainer aber aus zeitlichen Gründen abgesagt habe, sei in einem mehrstufigen Prozess innerhalb der Agentur und im engen Austausch mit Eker entschieden worden, auf generative KI zu setzen. Dies habe auch erlaubt, «die hohen Standards im Tierwohl zu wahren, da ein Fotoshooting oder Dreh grossen Stress für echte Gänse bedeuten würde», heisst es.

Die Produktion des TV-Spots mit KI erwies sich laut Mitteilung als sehr komplex. Ursprünglich als Bewegtbild-Spot konzipiert, hätten die KI-Videogeneratoren keine brauchbaren Bewegtbilder geliefert. Deshalb habe die Agentur zunächst auf Basissujets gesetzt, was sich als weitere Herausforderung herausgestellt habe. «Durch sorgfältiges Prompt-Design konnten zwar passable Ergebnisse erzielt werden, die Suche nach spezifischen Inhalten gestaltete sich jedoch schwieriger», heisst es weiter. Die Vielfalt der Gänsearten und -rassen führte laut Mitteilung zu unerwarteten Resultaten: «Unter die unzähligen zweiköpfigen oder dreibeinigen Monster-Mischgänsen mischte sich auch eine überraschend grosse Menge an Schwanen-Inhalte, die von der gewünschten weissen Hausgans abwichen.»

Am Ende war es laut Communiqué «ein Prozess von Trial-and-Error, bei dem tausende Bilder generiert wurden». Schliesslich fanden sich sechs Bilder, die einen einheitlichen Gesamteindruck erzeugten und als Basis für die Weiterentwicklung dienten – sowohl für Web, Print und Film. Der aktuelle TV-Spot wurde nun mit Ebenen und leichten Animationen realisiert. «Diese kreative Umsetzung eignet sich umso besser für die Adaption von Printsujets», heisst es.

Zahlreiche Vorteile

Mit dem Resultat zeigt Michael Schmid, Partner der Agentur im Grünen zufrieden: «Dank KI konnten wir verhindern, dass die Gänse während der Film- und Fotoaufnahmen Stress ausgesetzt sind. Wir sind stolz darauf, angeblich die erste Schweizer Agentur zu sein, die einen TV-Spot in den Werbeblöcken von SRF 1 präsentieren kann, dessen Inhalt hauptsächlich mit KI generiert wurde.»

Dass KI mitgewirkt hat, wird im Spot nicht deklariert. Bei der Agentur im Grünen heisst es dazu auf Anfrage von persoenlich.com: «Wir haben die Idee mit der ‹KI-Deklaration› im TV-Spot vertieft geprüft und sind letztendlich davon abgekommen, da es zu stark vom Spot-Inhalt beziehungsweise von den Kernaussagen abgelenkt hätte.»

Aus Sicht der Agentur im Grünen bietet der Einsatz von KI in der Spotproduktion zahlreiche Vorteile. Dies umfasst insbesondere die Möglichkeit, Hintergründe zu generieren und Sujets ohne aufwendiges Shooting zu erstellen. «Die Visualisierung von Ideen ist beinahe grenzenlos. Allerdings sind der Zeitaufwand sowie die nötigen Prompting-Skills für die Generierung von Inhalten nicht zu unterschätzen. Ausserdem sind die Ergebnisse, insbesondere bei Bewegtbildern, noch eher unpräzise – das Potenzial ist jedoch enorm in diesem Bereich», schreibt die Agentur in der Mitteilung weiter.

Die Mediaplanung für die TV-Kampagne wurde zusammen mit Admeira geplant und umgesetzt. Der TV-Spot ist in diesem Jahr noch mindestens bis zum 15. Dezember 2023 regelmässig auf SRF 1 zu sehen. (pd/cbe)